2. August 2010
Brandanschlag auf Moschee in Korbach
Täter hatte Brandanschlag auf Moschee
im braunen Netz angekündigt
In der Nacht zum 20. Juli entzündete ein 30jähriger am Eingang des Gemeindezentrums des türkisch-islamischen Kulturvereins in Korbach (Landkreis Waldeck-Frankenberg) eine Spiritusflasche. Als ein Anwohner aus dem Haus trat, ergriff der Brandstifter die Flucht. Er konnte kurz darauf von der Polizei gestellt werden. Nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau vom 1. August 2010 hatte der Täter seine Tat zuvor in einem rechtsextremistischen Internetforum angekündigt.
Dass hinter solchen Angriffen mehr steckt, als nur die Tat eines betrunkenen Idioten, das ist einmal mehr aufmerksamen Recherchen unabhängiger Journalisten zu verdanken. Die Polizei hatte in diesem Fall zwar nicht verleugnet, dass der Festgenommene ein bekannter Anhänger der rechtsextremen Szene ist, auf ein Motiv wollte man sich jedoch nicht festlegen lassen. Vielmehr wurde darauf verwiesen, dass der 30jährige stark alkoholisiert war. Der Artikel der Frankfurter Rundschau online vom 1. August 2010 (link) lässt erkennen, dass der braune Hass im Netz systematisch und ungehindert verbreitet und verherrlicht wird. Der Täter hatte seine Tat in einem einschlägigen Forum angekündigt und genießt dort nun offenbar Heldenstatus. "Er hats gemacht" und "Der lebt nur aus, was alle denken", schreiben Gleichgesinnte dort.
Unter der Bezeichnung "Sturm 18" sammeln sich um den 35jährigen Bernd T. aus Kassel offenbar einige "Kameraden" aus der Region. Im Juli 2010 wurden in Kassel mehrfach auffällige Personen mit einem T-shirt gesehen auf dem "Sturm 18" und das Symbol des Reichsadlers zu erkennen waren. "Sturm 18" nennt T. auch das Forum seines "Freundeskreises nationaler Aktivisten"; digitaler und vermeintlich anonymer Treffpunkt für Faschisten mit Internetanschluss. Hunderte Rechtsextreme aus dem ganzen Bundesgebiet tummeln sich im Internetforum des einschlägig bekannten Neonazis aus Kassel. Zugang zum Internetforum erhalten Gleichgesinnte durch Anmeldung mit Benutzername und Passwort. Im internen Bereich verbreiten die zahlreichen Teilnehmer ihren Hass unverblümt und enttarnen ihre menschenverachtende Ideologie. Der Glatzkopf Bernd T. soll dort auf einem Bild mit einem Maschinengewehr im Arm vor einer Fahne der rechtsextremen Partei NPD posieren.
Bernd T. ist kein Unbekannter
T. war bereits in den neunziger Jahren im Raum Bad Segeberg (Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein) in der rechtsextremen Szene aktiv. Der Landkreis ist neben Neumünster noch heute ein Zentrum neofaschistischer Aktivitäten. T. veröffentlichte in dieser Zeit u. a. Namen und Adressen von AntifaschistInnen im Internet. Unter dem Namen "Kameradschaft Nordmark" entwickelte T. eine Organisationsstruktur für die örtliche Szene. 1999 erschien im "Hamburger Sturm", einem Organ der militanten Rechten in Hamburg, ein Leserbrief der Gruppe um Bernd T.. Die Segeberger Nazis meldeten sich zur Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht zu Wort. Der Leserbrief wurde eingeleitet mit Lobeshymnen auf die Soldaten der Wehrmacht.
(Quelle: www.nadir.org)
T. verbüßte in den neunziger Jahren wegen der Tötung eines Obdachlosen eine mehrjährige Haftstrafe!
Ab dem Jahr 2000 machte T. als Anführer der "Kameradschaft Sturm 18 Cassel" auf sich aufmerksam. Auch hier betrieb er eine Internetseite, auf der u. a. zum Ausspionieren von politischen Gegnern aufgerufen wurde. "Wichtige Informationen sind : ihre Treffpunkte, ihre Namen, Privatadressen, Fahrzeugtyp, Autokennzeichen, ihre politischen / kriminellen Aktivitäten", so lautete der Aufruf auf der Internetseite der "Kameradschaft Sturm 18 Cassel“.
Auch laut einer Ausgabe des Magazins "Blick nach rechts" forderte der "Sturm 18 Cassel" u. a. zum Ausspionieren von "Antifaschisten und Punks" auf.
Im April 2002 nahm die Polizei T. in den frühen Morgenstunden in seiner Kasseler Wohnung fest. Dabei erschossen Polizeibeamte zwei Hunde des Neonazis. T. stand im Verdacht, volksverhetzende Musik veröffentlicht und Ausländer verunglimpft zu haben. In der Wohnung wurden Schreckschusswaffen sowie umfangreiches Propaganda-Material der rechten Szene gefunden.
(Quelle: Frankfurter Rundschau, April 2002)
T. gründete am 1. März 2003 gemeinsam mit weiteren Personen den Verein "HSV PitBull´s (OFC)" als "Fanclub zur Erhaltung und Förderung des Hamburger Sport-Verein HSV e.V." Zwischen 2003 und 2006 sorgten T. und weitere Mitglieder dieses "HSV-Fanclubs" im Örtchen Wethen bei Diemelstadt (Landkreis Waldeck-Frankenberg) für Unruhe.
Die Waldeckische Landeszeitung berichtet im September 2004 über einen Prozesses wegen ausländerfeindlicher Parolen gegen einen 25jährigen aus dem Umfeld des Vereins. Mehrere Anwohner hatten Hinweise gegeben, dass im Umfeld des Vereins rechtsradikale Sprüche und Musik verbreitet wurden. Ende September 2004 wurden Plakate an verschiedenen Stellen in Wethen ausgehängt mit folgendem Text: "Wir Wethener Bürgerinnen und Bürger distanzieren uns von Menschen mit fremdenfeindlicher Gesinnung, die rechtsextreme Parolen verbreiten und ausländische Mitbürger und Mitbürgerinnen einschüchtern." Ein Mitglied des Vereins soll Kindern darauf eine Belohnung versprochen haben, wenn sie ihm den Urheber der Plakate nennen.
Am 2. März 2005 berichtet die Waldeckische Landeszeitung über die Verurteilung eines Wetheners aus der rechten Szene zu acht Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung wegen Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Sachbeschädigung.
Am 14. Mai 2005 berichtet die Waldeckische Landeszeitung, dass der 30jährige T. wegen Beleidigung und versuchter Nötigung sowie wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt wurde.
Schnelles Handeln forderten im Jahr 2006 nicht nur die Kasseler Grünen nach dem Bekanntwerden der personellen Veränderungen im Vorstand und der Geschäftsführung des Vereins "Spitze e.V.“ in der Kasseler Nordstadt.
"Der neue Geschäftsführer Bernd T[...] ist mit seiner rechtsextremen Vergangenheit mehr als ungeeignet für diese Position. Gerade erst hat er eine Verurteilung wegen Psychoterrors gegen eine kurdische Familie akzeptiert. Jetzt soll er integrative Projekte in der Kasseler Nordstadt fördern, das passt nicht zusammen“, erklärte der Vorsitzende der Kasseler Grünen Andreas Jürgens im September 2006. Offensichtlich sei beim Verein "Spitze e.V.“ die Ferienzeit zur Unterwanderung genutzt worden. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde nicht nur der bisherige Vorsitzende abgewählt sondern auch T. sowie zwei weitere Bekannte von ihm in den Vorstand gewählt.
Dass es bald keine Moschee in seiner Nachbarschaft mehr geben würde, das kündigte Täter Thorsten K. aus Korbach am späten Nachmittag des 19. Juli 2010, wenige Stunden vor der Tat, im "Sturm 18"-Forum des Bernd T. an. Ob er zum Zeitpunkt der Ankündigung bereits betrunken war ist nicht bekannt. Jedenfalls sprechen diese Umstände doch eindeutig gegen die Theorie einer spontanen und unüberlegten Handlung im Vollrausch. Gegen Thorsten K. wurde, so berichtet die Frankfurter Rundschau, bereits wegen der Verwendung verbotener Nazi-Symbole ermittelt. Nur wenige Tage vor dem Anschlag soll er mit weiteren "Sturm 18"-Anhängern aus Nordhessen zum Rechtsrock-Festival "Rock für Deutschland“ der NPD nach Gera gefahren sein.
Brandanschläge hat es zuletzt auch in Mittelhessen gegeben
Auszug aus einem Artikel der Welt online, 23.12.2004:
Unbekannte verübten einen Brandanschlag auf eine Moschee im hessischen Usingen. Nach Angaben des Landeskriminalamts brachen die Täter in das Gebäude ein. Sie legten im Gebetsraum Feuer. Die Flammen zerstörten den Raum fast vollständig. Verletzt wurde niemand. Der Sachschaden wurde auf 50.000 Euro geschätzt. Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde, der die Moschee gehört, machte Rechtsradikale für den Anschlag verantwortlich.
(Quelle: www.welt.de)
Auszug aus einer Pressemeldung des Polizeipräsidiums Mittelhessen, 19.02.2008:
Dautphetal-Wilhelmshütte. Im Abstand von gut zwei Stunden kam es in der Nacht zum Dienstag, dem 19. Februar 2008 an einem Haus in der Mühlstraße zu einer Sachbeschädigung und zu einer Brandstiftung. Die Hausbewohner, eine türkische Familie, bemerkten das Feuer rechtzeitig und verhinderten einen größeren Schaden. Ein Ermittlungsteam aus Beamten des Staatsschutzes und des Kommissariates für Branddelikte führen die weiteren Untersuchungen und fahnden in diesem Zusammenhang nach zwei Tatverdächtigen.
Auszug aus einem Artikel der Netzeitung, 23.03.2009:
Unbekannte haben in der Nacht zum Montag einen Brandanschlag auf eine Moschee im mittelhessischen Stadtallendorf verübt. Wie die Polizei in Marburg am Montagnachmittag bekanntgab, wurden im Hof der Moschee ein Benzinkanister und ein mit Benzin getränkter Lappen angezündet. Zudem wurden offenbar zwei Brandsätze gegen das Gebäude geschleudert, die aber nicht explodierten. Auch sei auf die Moschee vermutlich geschossen worden, berichtete die Polizei. Das Geschoss habe ein Fenster durchschlagen, einen Kronleuchter beschädigt und sei in einer Wand stecken geblieben.
Auszug aus einem Artikel von Endstation Rechts, 15.04.2010:
Rund sechs Wochen nach einem Brandanschlag auf ein Wohnhaus in Wetzlar hat die Polizei fünf Neonazis festgenommen. Gegen die 17- bis 23-Jährigen wird wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung ermittelt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilten. Die jungen Männer würden zum Kern der rechtsextremen Szene im Raum Wetzlar zählen und seien bereits alle wegen verschiedener Straftaten aufgefallen. Einer von ihnen habe die Tat bereits gestanden.
Die Täter hatten in der Nacht zum 5. März 2010 einen Molotow-Cocktail gegen die hölzerne Haustür des Einfamilienhauses in der Innenstadt geworfen. Der 48-jährige Pastoralreferent, der sich aktiv gegen Rechtsextremismus engagiert, war zu der Zeit nicht zu Hause. Seine Ehefrau sowie die drei Kinder im Alter zwischen 15 und 19 Jahren konnten die Flammen gemeinsam mit Nachbarn, die den Brand entdeckt hatten, rasch löschen.
Aktivitäten im Landkreis Waldeck-Frankenberg nehmen zu
Sechs Jugendliche feierten am 20. April 2007 in der Nähe von Bad Wildungen (Kreis Waldeck-Frankenberg) unter freiem Himmel eine "Führer-Geburtstagsparty". Die Stadt Bad Wildungen machte den Vorfall erst öffentlich, als die rechtsextreme NPD mit einem Infostand in der Bad Wildunger Innenstadt am 18. August 2007 die Aufmerksamkeit auf lokale Aktivitäten lenkte. Man habe versucht, das Problem in den Griff zu bekommen, ohne die Öffentlichkeit zu informieren, sagte Bürgermeister Volker Zimmermann. (Quelle: HNA online am 24.08.2007)
Zimmermann engagierte sich später um so aktiver um Gegenaktivitäten bei Infoständen der NPD in Bad Wildungen.
Im Juni 2007 verurteilte das Amtsgericht Frankenberg einen 20jährigen Facharbeiter zu einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen. Während einer Abi-Fete am 23. Dezember 2006 hatte der Angeklagte zweimal öffentlich den verbotenen Hitlergruß gezeigt als ein Lied der peinlich-Rocker "Böhse Onkelz" gespielt wurde.
Am 18. August 2008 traten Anhänger der örtlichen NPD mit einem Infostand auf dem Postplatz in Bad Wildungen auf. Das Kasseler Verwaltungsgericht hatte am Freitag einem Eilantrag stattgegeben und damit gegen die Stadtverwaltung entschieden. Die Stadt Bad Wildungen hatte die Erlaubnis für den Stand verweigert, weil die NPD als verfassungsfeindlich und rechtsextrem einzustufen sei. Etwa hundert Gegendemostranten folgten einem Aufruf verschiedener Parteien und protestierten lautstark gegen die Neofaschisten. Bürgermeister Volker Zimmermann war ebenfalls unter den Demonstranten und zeigte null Toleranz für eine Partei mit "perversen Parolen", die Gerichte eines Staates in Anspruch nehme, deren Verfassung sie ablehne.
Am 13. Oktober 2007 verzichteten die Anhänger der NPD angesichts zahlreicher Gegendemonstraten auf den Aufbau ihres angemedeten Infostandes in Bad Wildungen.
Am 22. September 2008 erschien die NPD mit einem Infostand in Frankenberg. Betrieben wurde der Stand u. a. von dem Ehepaar Godenau aus Gilserberg-Sebbeterode und dem jungen David G., Direktkandidat der NPD für den Wahlkreis Schwalm-Eder I bei den Landtagswahlen im Januar.
Ein Rundgang durch Bad Wildungen von antimanifest am 9. Mai 2010 ergab, dass dort zahlreiche Nazi-Aufkleber zu finden sind. In der Innenstadt findet man sie an beinahe jeder Laterne, auf vielen Schildern und leider auch auf den Schulhöfen. Es handel sich dabei um selbstgestaltete Werbung für eine "Aktionsgruppe Waldecker Land" sowie um zahlreiche bekannte Motive der Gruppen "Freier Widerstand Kassel" und "Freie Kräfte Schwalm-Eder".
(Weitere Fotos aus Bad Wildungen findet Ihr in unserem Archiv.)
Am 26.04.2008 führte die NPD Nordhessen erneut einen Infostand in der Innenstadt von Bad Wildungen durch. Begleitet wurde die rechtsextreme Partei dabei von einer Gruppe junger Rechter, die in Schwarz und überwiegend vermummt auftreten. Die "autonomen Nationalisten" bemühten sich um Einschüchterung der anwesenden AntifaschistInnen.
rechtsextreme Schmierereien in Wabern am 29.08.2009
Bad Wildungen, 09.05.2010
Die Zahl der offiziell als rechtsextremistisch eingestuften Straftaten nahm im Landkreis Waldeck-Frankenberg von 26 im Jahr 2008 auf 36 im Jahr 2009 zu. 13 davon wurden in Bad Wildungen registriert, das ist der Spitzenwert im Landkreis.
3. August 2010
Nachtrag, 3. August 2010:
antimanifest erhielt am heutigen Nachmittag einen Anruf. Der Anrufer stellte sich als Vertreter des "Sturm 18" aus Kassel vor. Bei der Suche nach Berichten über ihre Aktivitäten im Internet stieß die Gruppe offenbar auch auf unsere Auflistung von Rechtsrock-Bands (link). Dort besteht seit Jahren ein Eintrag mit dem Namen "Sturm 18, Brandenburg". In einer Veröffentlichung des Landesamtes für Verfassungsschutz in Rheinland-Pfalz war eine solche Gruppe einmal benannt worden. Der "Sturm 18" aus Kassel bat uns heute um Änderung dieses Eintrags bzw. um eine Ergänzung. An einer Entfernung war dem Anrufer ausdrücklich nicht gelegen. Offenbar schätzen die Rechten die Aufmerksamkeit von Presse und Internet - nichts Neues.
Stephan Siebrecht, antimanifest
unsere Artikel zum Thema:
rechtsextremistische Aktivitäten beschränken sich nicht auf die Schwalm
antimanifest am 07.05.2010
Neonazis drangsalieren Dorf
antimanifest am 27.09.2004
Pressemeldungen zum Thema:
Neonazi kündigt Anschlag an
Frankfurter Runschau online am 01.08.2010
Anschlag sorgt für Angst bei Türken
Hessisch-Niedersächsische Allgemeine HNA online am 22.07.2010
Zufall verhindert Brandanschlag auf türkischen Kulturverein
Hessisch-Niedersächsische Allgemeine HNA online am 20.07.2010
Rechtsextremist will türkischen Kulturverein in Brand setzen
Nordhessennews NH24 am 20.07.2010
Pressemitteilungen der Polizei:
Korbach: Aufmerksamer Zeuge sorgt für schnelle Täterfestnahme
Polizeipräsidium Nordhessen am 28.02.2010
Hitlerbild und Maschinengewehr
Neonazi kündigt Anschlag an
Neonazis blasen zum Kampf: Torsten K. kündigt im Internet einen Brandanschlag auf eine Moschee an - und wird nur zufällig gestoppt.
Die Bilder zeigen einen Mann mit kahl geschorenem Schädel, Tarnhose und Springerstiefeln. Mit entschlossenem Blick posiert er vor einer Fahne der rechtsextremen NPD, im Arm hält er ein Maschinengewehr. "Sturm 18 im Krieg“ hat der Kasseler Neonazi Bernd T. (35) die martialischen Fotos betitelt, mit denen er sich auf den Seiten seines "Freundeskreises nationaler Aktivisten“ im Internet präsentiert. Das Motto: "Es ist Zeit zu handeln! Komm zu uns...
Einer, der die Aufforderung zum militanten Kampf ernst genommen hat, ist Thorsten K. (30) aus dem nordhessischen Korbach. Auch er gehört zur braunen Kameradschaft "Sturm 18“ des Bernd T.; zusammen mit rund hundert Gleichgesinnten aus dem ganzen Bundesgebiet tummelt er sich im gleichnamigen Internetforum. Das ist zwar nur für Mitglieder des rechtsextremen Netzwerks zugänglich. Die Beiträge aber liegen der Frankfurter Rundschau vor.
Nachdem ein Kamerad mit dem bezeichnenden Alias-Namen "Odins Erbe“ die Frage "Wie viele Moscheen gibt es in deiner Stadt?“ aufgeworfen hatte, reagierte Thorsten K. unmissverständlich: "Heil dir“, schrieb der einschlägig polizeibekannte Mann, "wohne leider neben einer, aber nicht mehr lange“.
Diese Drohung tippte er am 19. Juli um 17.19 Uhr in seinen Computer. Sieben Stunden später entzündete Thorsten K. vor der Korbacher Moschee eine Flasche mit Spiritus. Nur weil ein Nachbar zufällig aufmerksam wurde, konnte der Brandanschlag vereitelt werden. "Über die Motive der Tat“, berichtete danach die Polizei, "können noch keine Aussagen getroffen werden“. Der Mann habe aber "erheblich unter Alkoholeinfluss“ gestanden - offenbar weil er sich vor der Tat mit seiner Freundin gestritten und sich betrunken habe.
Seine Kameraden im Internet-Forum wissen es genauer: "Der lebt nur aus, was alle denken“, schreibt einer. Thorsten K. habe es mit dem Anschlag halt bloß nicht richtig hingekriegt, aber immerhin: "Er hats gemacht.“ Und ein anderer wünscht sich, dass der Angriff erfolgreich gewesen wäre "und da jetzt nur noch ein Aschehaufen steht“.
Gegen Thorsten K. wurde zuvor bereits wegen der Verwendung verbotener Nazi-Symbole ermittelt. Und keine zehn Tage vor seiner geplanten Attacke auf die Moschee reiste er mit nordhessischen "Sturm 18“-Kameraden zum Festival "Rock für Deutschland“ der NPD nach Gera.
Der Mann ist ein Überzeugungstäter - wie alle, die sich bei "Sturm 18“ ihren braunen Hassfantasien hingeben. Ein Butzbacher Neonazi mit dem Pseudonym "Weißer Widerstand“ träumt im Forum davon, die Moschee in seiner Stadt irgendwann "niederzubomben“. Und "weißer-patriot“ aus dem schwäbischen Ravensburg macht den "Lösungsvorschlag: Wir spielen einfach mal wieder die Reichskristallnacht nach! Oder was meint ihr?!
Die antisemitischen Pogrome vom 9. November 1938 als Vorbild für den Kampf der Rechtsextremen gegen ihre muslimischen Nachbarn: Das Ideal bei "Sturm 18“ ist der mörderische Nationalsozialismus des "Dritten Reichs“.
Ausgeprägter Führerkult
Als Logo, das der harte Kern der Kameradschaft auf T-Shirts trägt, dient der nationalsozialistische Reichsadler - mit der "18“ als Platzhalter für das verbotene Hakenkreuz. Die Ziffern stehen dabei für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet, also für AH: Adolf Hitler. Bei "Sturm 18“ feiert der Führerkult fröhliche Urständ: Auf einem Foto im Internet zeigt sich Bernd T. mit seinen Kasseler Kameraden stolz vor einem Hitler-Bild.
Der "Krieg“, den der Neonazi-Aktivist anzetteln will, kann freilich auch ein ganz privater sein: Weil ihn seine Frau wegen eines anderen Mannes verlassen haben soll, bat Bernd T. im "Sturm18“-Forum um Hilfe bei der "Suche“ nach der Angetrauten. Es fanden sich sofort Kameraden, die die Jagd auf den Nebenbuhler aufnehmen wollten: "Ich schnapp mir den Penner, ehe ich in Haft gehe“, schrieb Wolfgang G. (48), der kürzlich wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden ist. "Auf das Jahr mehr oder weniger kommt es eh nicht mehr an!
HNA online am 22.07.2010:
Anschlag sorgt für Angst bei Türken
Erschrocken reagieren die Mitglieder des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in Korbach auf den vereitelten Anschlag auf ihr Vereinsgebäude. "Es ist das erste Mal seit der Gründung im Jahr 1978, dass so etwas bei uns passiert", sagt der Vorsitzende der Vereins, Yasin Sümer.
Ein stark alkoholisierter 30-jähriger Korbacher hatte in der Nacht zu Dienstag eine Spiritusflasche am Eingang des Kulturvereins abgestellt und entzündet. Durch einen aufmerksamen Anwohner konnte Schlimmeres verhindert werden (wir berichteten).
"Es ist nichts Schlimmes passiert“, sagt Sümer, doch sitze der Schreck bei ihm und den Vereinsmitgliedern tief. „Noch wissen es nicht alle, da Ferienzeit ist und viele verreist sind, aber die, die es wissen, sind sprachlos“, sagt Sümer. "Es ist total schlimm. Wir hoffen, es bleibt ein einmaliger Vorfall. Für uns bedeutet Islam Friede.“ Auch sei der Kulturverein offen für alle Nationalitäten und Religionen.
Dem Kulturverein gehören rund 150 Mitglieder an. "Wir haben in Korbach keine Probleme und fühlen uns wohl“, sagt Sümer und versucht den Vorfall nicht zu hoch zu hängen. Dennoch habe er auch Angst ausgelöst. "Wir machen aber weiter wie bisher.“
Im August beginnt für die Moslems die Fastenzeit. Danach plane der Verein Veranstaltungen, zu denen als Dank Polizei und Bürgermeister geladen werden.
HNA online am 20.07.2010:
Zufall verhindert Brandanschlag auf türkischen Kulturverein
Ein Zufall hat in Korbach einen möglichen Brandanschlag auf den türkisch-islamischen Kulturverein verhindert. Das berichtete die Polizei.
Ein der rechten Szene zugerechneter 30-Jähriger hatte in der Nacht zum Dienstag am Eingang des Gemeindezentrums eine Camping-Spiritusflasche entzündet.
Plötzlich trat aber in der Nähe ein Anwohner aus dem Haus - und der stark alkoholisierte Täter ergriff die Flucht zu Fuß. Der 30-Jährige konnte jedoch kurz darauf von Polizeistreifen festgenommen werden. Das Feuer wurde schnell gelöscht. Es entstand kein Sachschaden.
Der 30-Jährige sei den Behörden bekannt, sagte der Korbacher Polizeisprecher Volker König. Details über dessen politische Zugehörigkeit wollte er aber nicht nennen. In die Ermittlungen wurde die Staatsanwaltschaft Kassel eingeschaltet.
NH24 am 20.07.2010:
Rechtsextremist will türkischen Kulturverein in Brand setzen
Ein Anhänger der rechten Szene hat in der Nacht zum Dienstag ein Gebäude eines türkisch-islamischen Kulturvereins in Korbach in Brand stecken wollen. Dank eines aufmerksamen Zeugens wurde ein größerer Schaden verhindert, wie die Polizei mitteilte. Streifenbeamte konnten das kleine Feuer schnell löschen.
Der mutmaßliche Täter hatte kurz nach Mitternacht am Eingang des Kulturvereins eine Spiritusflasche abgestellt und angezündet. Als er den Zeugen bemerkte, flüchtete er zu Fuß. Er wurde in der Nähe des Tatorts festgenommen. Das Motiv war zunächst unklar. Nach Angaben der Polizei war der 30-Jährige zum Zeitpunkt der Tat betrunken.
Pressemitteilung der Polizei:
Polizeipräsidium Nordhessen, Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg am 20.07.2010:
Korbach: Aufmerksamer Zeuge sorgt für schnelle Täterfestnahme
Einem aufmerksamen Zeugen ist es zu verdanken, dass gestern Nacht gegen 00.25 Uhr ein größerer Schaden am Gebäude des türkisch-islamischen Kulturvereins in der Gabelsberger Straße verhindert werden und der mutmaßliche Täter noch in Tatortnähe festgenommen werden konnte. Ein stark alkoholisierter 30-jähriger Korbacher hatte eine Spiritusflasche am Eingang des Kulturvereins abgestellt und entzündet. Als der Brandstifter den Zeugen bemerkte, flüchtete er zu Fuß, konnte aber noch in Tatortnähe von den herbeieilenden Polizeistreifen festgenommen werden. Die Polizei konnte auch das kleine Feuer schnell mit einfachen Mitteln löschen, so dass die Feuerwehr nicht mehr alarmiert werden musste. Es entstand kein Sachschaden. Über die Motive der Tat können noch keine Aussagen getroffen werden, die Ermittlungen der Kriminalpolizei in Korbach dauern noch an. Die Staatsanwaltschaft in Kassel ist ebenfalls eingeschaltet. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 30-jährigen Korbacher der zum Zeitpunkt der Tat erheblich unter Alkoholeinfluss stand und der rechten Szene zuzuordnen ist.
Polizeihauptkommissar Volker König
Polizeipräsidium Nordhessen
Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, Pressestelle
Pommernstraße 41, 34497 Korbach
Telefon: 05631-971-160 oder -161
 
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letzte Aktualisierung: 04.08.10