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10.
Juni 2007
www.turnitdown.de
/ Frankfurter Rundschau
Kasseler
Motorradclub Bandidos
bestreitet
Kooperation mit Rechtsextremen
Schon
zweimal hat die Polizei Neonazi-Konzerte beim Motorradclub Bandidos
in Kassel unterbunden. Die Rocker beteuern jedoch, dass sie mit
der extremen Rechten nichts zu tun haben wollen. Experten sprechen
von einer eher taktischen als weltanschaulichen Distanz.

Der
erste Versuch scheiterte im Oktober vergangenen Jahres. Im Treffpunkt
des Kasseler Motorradclubs Bandidos sollten rechtsextreme Hassmusiker
wie die Skinheadband "Oidoxie" oder der Sänger Oliver
Podjaski auftreten. Doch das Konzert, zu dem die örtlichen
Rechten aus NPD und "freien" Kameradschaften zahlreich
erschienen waren, wurde von der Polizei unterbunden. Im März
wollte dann der einschlägig als rechtsextremer Schläger
vorbestrafte Stanley R. mit einem Konzert im Heim der Bandidos seinen
Geburtstag feiern. Doch auch dieses braune Wiegenfest ließ
die Polizei platzen: Die von dem 30-Jährigen eingeladenen Nazi-Bands
und seine rund 40 gleichgesinnten Gäste aus nah und fern wurden
von den Beamten schon nach kurzer Zeit wieder nach Hause geschickt.

Die Ereignisse in Kassel sind keine Premiere. Sie erinnern an die
Schlagzeilen, für die vor einigen Jahren die Bandidos in Mannheim
gesorgt hatten: Bis ihnen ihr Vermieter aufgrund des großen
öffentlichen Drucks den Mietvertrag kündigte, hatten sie
ihr Clubhaus immer wieder für Neonazi-Konzerte zur Verfügung
gestellt. Allein im Jahr 2005 waren es acht - so viele wie nirgends
sonst in Baden-Württemberg.

Ist Ähnliches nun auch in Nordhessen zu erwarten? Nein, erklären
die Kasseler Bandidos. "Rechtsradikale haben wir bei uns
gar nicht", sagt Vice President Sven E. Die Veranstalter
der Konzerte seien keine Mitglieder des Motorradclubs gewesen, sondern
hätten die Räume nur angemietet. "Einen kannte
ich - ich wusste, dass der ein bisschen rechts angehaucht ist. Aber
dass es so weit rechts ist, wusste ich nicht."
"Künftig
besser aufpassen"
Künftig,
verspricht Sven E., werde man besser aufpassen, wen man sich ins
Haus holt. "Wir machen auf keinen Fall mehr Feiern in diese
Richtung." Denn auf den zusätzlichen Ärger mit
der Polizei, den sie sich mit den rechtsextremen Treffen eingebrockt
haben, wollen die Bandidos gerne verzichten. "Wir haben
auch so schon genug Stress."
Dass
Motorradclubs wie die Bandidos oder die Hells Angels schon aus taktischen
Gründen zumeist auf Abstand zur Neonazi-Szene bedacht sind,
bestätigt auch Dirk Wilking vom Mobilen Beratungsteam (MBT)
gegen Rechtsextremismus in Brandenburg. "Rockergruppen haben
nicht gerne Probleme an zwei Fronten", erklärt er.

Es
reiche ihnen, wenn sie wegen des Verdachts der organisierten Kriminalität
ins Visier der Ermittler geraten. "Deshalb wollen sie nicht
auch noch den Staatsschutz auf sich ziehen." Es gebe allerdings
durchaus "Überschneidungen im Weltbild", die
Rockergruppen auch für die Nazi-Klientel interessant machen
würden - etwa die strengen Hierarchien, das chauvinistische
Frauenbild, die starke Ritualisierung des Clublebens und das Angstpotenzial,
mit dem sich Rocker Respekt zu verschaffen suchen. "Das
ist in der rechtsextremen Szene ziemlich ähnlich."
Gleichwohl
beobachtet Wilking derzeit kein Zusammengehen von Rockern und Rechten.
Und auch der Verfassungsschutz Berlin, der vor wenigen Jahren noch
eine zunehmende Kooperation zwischen Motorradclubs und Neonazis
drohen sah, gibt mittlerweile Entwarnung. "Das hat sich
so nicht bestätigt", sagt eine Sprecherin.
Eine
Einschätzung, die von ihren hessischen Kollegen geteilt wird:
Es gebe lediglich "vereinzelte Kontakte zwischen Personen
aus dem Rockermilieu und der rechtsextremistischen Szene",
teilt das Landesamt für Verfassungsschutz in Wiesbaden mit.
Auf "gemeinsame politische Bestrebungen" lasse
dies gegenwärtig nicht schließen. "Wir haben
die weitere Entwicklung jedoch im Blick", heißt es
in der Landeshauptstadt.


Oidoxie
- Eine RechtsRock-Band gibt Gas
Kaum
ein RechtsRock-Konzert in NRW, bei dem Oidoxie
derzeitig nicht auftritt. Und auch in anderen Bundesländern
und im Ausland ist die Dortmunder Band anzutreffen. Wir
spielen Rechtsrock [...] fürs Vaterland,
heißt es auf ihrer CD Schwarze Zukunft:
Wir sprengen die Ketten, und schlagen uns frei.
Wir kämpfen für Deutschland, und bleiben dabei.
[...] Und schreien immer wieder: Heil, heil!
Derartige Reimkunst weiß die Szene zu
verzücken, nicht immer aber auch die Staatsanwaltschaft,
die einen Beschlagnahme-Beschluß über die Schwarze
Zukunft verhängte. Grund für Frontmann
und Sänger Marko Gottschalk aus Dortmund-Brechten
sowie seine Mitstreiter, zu denen u.a. Dennis Linsenbarth
aus Werne und Christian Errit aus Meinerzhagen zählen,
sich auf ihren anderen CDs, wie z.B. Kann denn
Glatze Sünde sein?, Treue und
Ehre und Weiß & Rein
ein wenig zu mäßigen.
"Welcome
to the white world of the Kriegsberichters"
Kaum
aber bewegt sich die Band außerhalb des direkten
Zugriffs der deutschen Justiz, gibt sie Gas: Hängt
dem Adolf Hitler den Nobelpreis um, hisst die rote Fahne
mit dem Hakenkreuz singt Oidoxie
auf der kürzlich erschienenen fünften Ausgabe
der Videoproduktion Kriegsberichter,
hergestellt von der finnischen Firma Ainaskin Production.
Vertrieben wird das Video über die Organisation Thule
in Schweden und von der NS88 Video Division
in den USA, also von der us-amerikanischen Division der
in Deutschland verbotenen internationalen Blood
& Honour(B&H)-Struktur. Oidoxie,
deren Bassist Linsenbarth in einem Interview mit dem Hammer-Skin-Blatt
Hass Attacke Ian Stuart und Rudolf Heß
als Band-Vorbilder angab, machte den musikalischen Auftakt
auf diesem Video. Gezeigt wird ein Konzert-Mitschnitt,
bei dem Oidoxie das oben zitierte, berüchtigte
und verbotene Hakenkreuz-Lied der Band
Radikahl vorträgt. Auf dem Video sind
neben Interviews und weiteren Bandauftritten Szenen geschnitten,
in denen Bilder aus Konzentrationslagern gezeigt werden,
Schwarze und Juden erschossen werden und mit Karikaturen
der Mord an Behinderten dargestellt wird.
Nicht
nur aus der Tatsache, dass nicht jeder Band die Ehre
zuteil wird, auf dem Kriegsberichter
verewigt zu werden, lassen sich gute Kontakte zu B&H
schlussfolgern. Und so wundert es auch nicht, dass u.a.
zu dem Großkonzert am 16. März 2002 in Dortmund
neben Oidoxie hochkarätige US-amerikanische
Bands wie Max Resist und Intimidation
One aufspielten.
Kampf
um die Köpfe und Kampf um die Straße
Doch
nicht nur auf der Bühne, auch auf der Straße
ist die Band zu Hause. So organisierte Oidoxie,
deren Mitglieder dem Spektrum der Freien Kameradschaften
zuzurechnen sind, bereits zwei Demonstrationen unter dem
Motto Veranstaltungsfreiheit auch für national
gesinnte Deutsche! Gegen Polizei- und Staatswillkür!
Anlass war Eigenangaben zufolge, dass eine Geburtstagsparty
von Gottschalk und dem Oidoxie nahestehenden
Kameradschaftsführer aus Dortmund, Carsten
Jährling, Ende Dezember sowie eine Silvester-Party
beide vermutlich mit geplanten Liveauftritten -
nach Einflussnahme durch die Polizei nicht stattfinden
konnten. Statt dessen demonstrierten am 28.12.2002 auf
Anmeldung von Jährling ca. 100 sowie am 04.01.2006
mit Unterstützung des dieses Mal als Anmelder auftretenden
neonazistischen Liedermachers Nico Schiemann aus Frankfurt/O.
ca. 200 Neonazis Wir lassen uns das Feiern nicht
verbieten!-skandierend durch Bochum. Bei letzterer
Demo war auch der Führer der Freien Kameradschaften,
Christian Worch aus Hamburg, als Redner zugegen.
Oidoxie
verfügt insbesondere im Ruhrgebiet und im Ennepe-Ruhr-Kreis
über ein großes Umfeld und ist auch bundesweit
bekannt und beliebt. Es lag also nahe für Worch,
sich bei seiner Offensive für mehr Rechtssicherheit
bei der Organisation von Konzerten für Oidoxie
als Liveband auf Demonstrationen zu entscheiden. Die Oidoxie-Saalschutz-Truppe,
in der mit Ronald Guziewski aus Wetter sowie Marc vom
Ort (Gevelsberg) und Michael Müller (Ennepetal) auch
diverse Rottenführer der regionalen Kameradschaften
zu finden sind, ist bei derartigen Events natürlich
stets mit von der Partie.
Ausblick
Der
Auftritt von Oidoxie auf der Demonstration
in Soest am 20.07.2002 war nur der Anfang einer neuen
neonazistischen Offensive in NRW. Vergleichbar mit den
ab 1998 immer häufiger angemeldeten Demonstrationen,
soll verstärkt versucht werden, RechtsRock-Konzerte
sowie Bandauftritte bei politischen Aktionen durchzusetzen
und zu etablieren. Für April wurde bereits eine weitere
Demo mit Bandauftritt(en) in Bochum angekündigt.
Das Ziel ist klar: eine größere Zielgruppe
mit zeitgemäßen Mitteln anzusprechen. Oidoxie
wird bei diesem Konzept eine wichtige Rolle spielen.
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