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11.
September 2008
Rechtsextremismus im Schwalm-Eder-Kreis - Presseschau
Blickpunkt
Schwalm
Für
ein privates Engagement wie das unsere war es zuletzt leider nicht
mehr möglich, alle Ereignisse, alle Veranstaltungen, Diskussionen
und Stellungnahmen in vollem Umfang zu dokumentieren und kritisch
zu betrachten. Wir haben für Euch eine Presseschau erstellt,
die einen Überblick über die weitere Entwicklung der Auseinandersetzungen
um die rechtsextremistische Vereinigung "Freie Kräfte
Schwalm-Eder" geben soll.
Von
relativierenden und verharmlosenden Äußerungen in anderen
Beiträgen distanzieren wir uns ausdrücklich. Diesen werden
wir auch weiterhin offen widersprechen, nach allem was wir selbst
in der Schwalm erlebt haben, nach dem was Menschen aus der Schwalm
uns regelmäßig berichtet haben und nach dem was wir in
Jahren der Auseinandersetzung mit dem Thema vor Ort dokumentieren
konnten. Bestätigt sehen wir unsere Einschätzung von den
Artikeln in der Frankfurter Rundschau von gestern.
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5.
September 2008, Schwalmstadt-Treysa
Betroffene
Schülerinnen und Schüler demonstrierten am vergangenen
Freitag vor ihrer Schule, um auf die Attacken und Provokationen
organisierter Rechtsextremisten auch im Schulbetrieb aufmerksam
zu machen.
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Artikel
zum Thema in den Medien (Auswahl):

Die
unsichtbaren Nazis Frankfurter
Rundschau am 10.09.2008

Jagd
auf Schlafende Frankfurter
Rundschau am 10.09.2008

Neuer
Feind sind linke Jugendliche Frankfurter
Rundschau am 10.09.2008

Verstärkter
Kampf gegen Neonazis Frankfurter
Rundschau online am 28.08.2008

Kalter
Krieg in Hessen Junge
Welt
am 29.08.2008

Razzia
bei Neonazis in Hessen Junge
Welt
am 26.07.2008

Neue
Militanz von rechts? Landesmagazin
de facto im Hessischen Rundfunk am 07.09.2008, 18.00
Uhr

Nordhessens
Nazis gewaltbereit HNA
am 11.09.2008
Pressemittelung
des nordhessischen Polizeipräsidenten:

Presseerklärung
der Fraktion "Die Linke" verärgert Nordhessens
Polizeichef
05.09.2008
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Schwalm-Eder-Kreis
Im
Schwalm-Eder-Kreis tummeln sich die Mitglieder brauner
Kameradschaften im bürgerlichen Vereinsleben, doch
bemerkt haben will das kaum jemand.
von
Joachim F. Tornau und Carsten Meyer
Die
Liste ist lang. Rund 40 Rechte aus Schwalmstadt und Umgebung
kann die Frankfurter Rundschau namhaft machen: Die Auswertung
von Profilseiten, die die überwiegend jungen Leute
von sich im Internet angelegt haben, macht's möglich.
Auch von den 37 Mitgliedern einer zeitweilig existierenden
Community-Gruppe namens "FK-SE" - der Abkürzung
der braunen Kameradschaft "Freie Kräfte Schwalm-Eder"
- konnte mehr als die Hälfte entschlüsselt werden.

Besonders
brisant: Jeder zweite auf der Liste engagiert sich gleichzeitig
im bürgerlichen Vereinsleben - in Sportclubs, bei
der Feuerwehr und vor allem in den sogenannten Kirmes-Burschenschaften.
Die Zusammenschlüsse junger Dörfler kümmern
sich auf dem nordhessischen Land um die Ausrichtung der
Volksfeste. Im nicht-virtuellen Leben aber will kaum jemand
in der Region etwas von diesen Rechten bemerkt haben.
Im Schwalmstädter Ortsteil Ziegenhain sieht Ortsvorsteher
Georg Schmidt "eigentlich kein Problem" mit
Rechtsextremismus. Dabei gehören der hiesigen Burschenschaft
mindestens sechs Rechte an. "Mir ist da nie was aufgefallen",
sagt der Sozialdemokrat.
Burschenschaftspräsident
Markus Lappe weiß dagegen von Neonazis in den
eigenen Reihen - und würde gerne etwas daran ändern.
Derzeit werde noch diskutiert: "Die einen meinen:
Das darf man nicht so eng sehen. Die anderen sagen:
Die wollen wir hier nicht haben." Nicht so eng
sieht es offenbar auch Steffen Wüst, Vorsitzender
der Burschenschaft im benachbarten Ascherode, bei der
sich drei der nur 19 Mitglieder offen im Internet als
Rechtsextreme präsentieren: "Warum soll ich
jemanden aus dem Verein werfen, der mir nichts getan
hat?", fragt Wüst und beendet abrupt das Telefonat.
Aus
der Gemeinde Willingshausen stammen drei der sieben
Tatverdächtigen, gegen die wegen des Überfalls
auf das Zeltlager der Linken am Neuenhainer See ermittelt
wird. Zwei von ihnen gehören einer Burschenschaft
an, einer sogar als zweiter Vorsitzender. Konsequenzen:
keine. "Die sind bisher nicht auffällig geworden",
sagt Bürgermeister Heinrich Vesper (FDP). "Deshalb
hat die Burschenschaft gesagt, dass sie integriert bleiben
- sie zu isolieren, würde nichts bringen."
Ein Problem mit rechten Jugendlichen habe seine Gemeinde
jedenfalls nicht, meint der Bürgermeister. "Das
sind nur einige wenige Problemfälle."
Auch
am Schwalm-Gymnasium in Schwalmstadt gibt es nach Einschätzung
von Schulleiter Helmut Bernsmeier nur eine Handvoll
rechtsextrem gesinnter Schüler. Gleichwohl möchte
der Direktor nicht abwiegeln: "Schon wenn es zehn
wären, fände ich das eine relativ hohe Zahl."
Er und viele seiner Kollegen seien deshalb "hellwach"
und bemühten sich, "den Sumpf trocken zu legen".
Dennoch wäre der mutmaßliche Haupttäter
vom Neuenhainer See um ein Haar sein Schüler geworden
- und damit Mitschüler der 13-Jährigen, die
bei dem Überfall fast erschlagen wurde. "Kevin
S. ist als smarter junger Mann aufgetreten, mit sehr
guten Noten - wir haben nichts bemerkt", so Bernsmeier.
Mittlerweile sei die Anmeldung annulliert worden. Doch
hätte er rechtzeitig von der Gesinnung des 19-Jährigen
erfahren, hätte er die Aufnahme von vornherein
abgelehnt. Auch auf die Gefahr eines Rechtsstreits hin.
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Rechtsextreme
in Hessen
von
Franziska Schubert
Der
Schock sitzt immer noch tief. In den Morgenstunden des 20.
Juli kletterte ein Rechtsextremer in Nordhessen über
den Zaun eines Jugendcamps am Neuenhainer See. Der 19-Jährige
drang in eines der Zelte ein und schlug vermutlich mit einem
Spaten auf ein schlummerndes Mädchen und ihren Stiefbruder
ein. Die 13-Jährige kam mit lebensgefährlichen
Kopfverletzungen ins Krankenhaus. Gegen den Täter,
Kevin S., ermittelt jetzt die Polizei wegen versuchten Totschlags.
In
der Landespolitik herrscht bis heute helle Aufregung. Nicht
nur wegen der Tat selbst. Sondern vor allem wegen des Verdachts,
Polizei und Verfassungsschutz hätten den Anschlag verhindern
können. Die Linkspartei wiederholt ihn laufend, und
jedes Mal empören sich Politiker von CDU und FDP. Fakten
kommen in der Debatte kaum vor. Wer sie zusammenträgt,
kommt zu dem Ergebnis: Die Gefahr war für alle greifbar,
auch für die Sicherheitsbehörden. Den richtigen
Moment, um das Schlimmste zu verhindern, hat die Polizei
jedoch verpasst.
Das
Campmotto hieß "Schwalmstadt bleibt bunt"
Niemand
in Schwalmstadt konnte die Plakate und Aufkleber der Freien
Kräfte Schwalm-Eder übersehen, aus deren Umfeld
der Täter Kevin S. stammt. Seit Jahresbeginn hingen
sie an jeder Straßenecke. Das ist der Grund, warum
Mitglieder der Linksjugend Solid das Camp überhaupt
organisierten. "Schwalmstadt bleibt bunt" war
das Motto der Demo, die die Campteilnehmer einen Tag vor
dem brutalen Überfall veranstalteten. Auch die rechte
Szene war da. Um zu stören.
Die
Polizei nahm Kevin S. bei der Demo fest, ließ ihn
aber wieder laufen. Die Linken-Landtagsabgeordnete Marjana
Schott kann das nicht nachvollziehen. Dem Staatsschutz
hätte bekannt sein müssen, dass Kevin S. eine
bekannte Größe der rechten Szene sei. Zahlreiche
braune Videos und Internetseiten mit Hasspropaganda stammen
von ihm. Mobil macht er darin mit Sprüchen wie "Deutschland,
du bist im Krieg". Für Schott stellt das "eine
pure Aufforderung zur Gewalt" dar. Außerdem
habe gegen den Rechtsextremen zum Zeitpunkt seiner Festnahme
eine Anzeige wegen Körperverletzung vorgelegen.
Nach
Ansicht der Polizeidirektion Schwalm-Eder gab es dagegen
keine rechtlichen Voraussetzungen, die während der
Demo festgenommenen Personen - unter denen sich auch Kevin
S. befand - länger festzuhalten. Die Beamten sahen
offenbar keinen Anlass, den späteren Täter im
Zuge der Gefahrenabwehr zumindest für 24 Stunden
in Gewahrsam zu nehmen. "Es lagen keine Hinweise
für eine konkrete Bedrohung des Camps vor",
urteilt die örtliche Polizei.
Der
hessische Verfassungsschutz hat die Polizei nach eigenen
Angaben darauf hingewiesen, dass es bei Kevin S. und seinen
rechten Kumpanen zu bestimmten Anlässen ein "Mobilisierungs-
und Gewaltpotential" gebe. Die Freien Kräften
Schwalm-Eder seien ein "loser Personenzusammenschluss
von Neonazis" ohne feste Kameradschaftsstrukturen.
Seit dem Frühjahr fielen sie insbesondere durch "Anti-Antifa"-Aktivitäten
auf. Deshalb kontrollierte die Polizei "rein vorsorglich"
das Zeltlager, zunächst in unregelmäßigen
Abständen. Nach der Demo kamen die Beamten öfter.
Vorfall
noch am selben Tag gemeldet
Dass
Vermummte bereits am Donnerstag - vier Tage vor dem Überfall
- das Camp fotografiert hatten, will die Polizei erst
nach dem Überfall durch eigene Ermittlungen erfahren
haben. Markus L[...], der Mitorganisator des Zeltlagers,
gibt jedoch an, seine Gruppe habe den Vorfall noch am
selben Tag dem Staatsschutz gemeldet.
Aus
Angst vor rechten Störenfrieden hatten die zeltenden
Jugendlichen eigenständig Nachtwachen organisiert.
Am Morgen, kurz vor dem Überfall, saßen sie
jedoch am Lagerfeuer, weil sie laut Lange nicht mehr damit
rechneten, dass noch etwas passieren würde. Doch
dann kamen die Angreifer.
Die
Freien Kräfte Schwalm-Eder waren schon zuvor in Aktion
getreten. Bei einer Abifete am 6. Juni umkreisten Neonazis
ein Mädchen. Die Rechten hätten sie "aufs
Übelste beschimpft" und zu Boden geschubst,
erzählt Markus L[...].
Am
frühen Morgen des 8. Juni, fuhren Vermummte in Autos
zu einem alternativen Jugendclub in Frielendorf-Todenhausen
und lauerten - mit Steinen bewaffnet - Besuchern auf.
Sie griffen ein Mädchen an und prügelten auf
es ein, so dass es ins Krankenhaus musste. Anderen Jugendliche,
die mit ihren Handys die Polizei rufen wollten, schlugen
die Angreifer das Telefon aus der Hand und zerstörten
es. Ein Handy wurde geraubt. Die Polizei erfuhr von diesen
Attacken.
Der
Verfassungsschutz führte die Freien Kräfte Schwalm-Eder
sogar schon im Verfassungsschutzbericht 2005 auf. Trotzdem
handelt es sich nach dem Wissen der örtlichen Polizei
"um ein Phänomen, welches in diesem Jahr erstmals
auftrat".
Kurz
nach dem Überfall durchsuchten Polizisten aufgrund
vorhergehender, intensiver Ermittlungen die Wohnungen
von 13 Personen. Camp-Organisator L[...] fragt sich, "warum
die Polizei nicht früher eingeschritten ist".
Darüber
machen sich auch führende Politiker der Linken wie
der Bundestagsabgeordnete Bodo Ramelow Gedanken. Er warf
den Behörden vor, Totschlag in Kauf zu nehmen, und
ließ die Frage folgen, wo der Verfassungsschutz
sei, wenn der "braune Mob überall fröhliche
Urstände" feiere. Hessens Innenminister Volker
Bouffier (CDU) reagierte empört und nannte ihn einen
"extremistischen Hetzer". Auch der Kasseler
Polizeipräsident Wilfried Henning wehrt sich gegen
die "bösartigen Verleumdungen" der Linken.
"Blindheit auf dem rechten Auge" könne
seiner Mannschaft nicht unterstellt werden.
Die
politische Aufarbeitung ist in vollem Gange. Die juristische
inzwischen auch, wie die Staatsanwaltschaft Marburg mitteilt.
Gegen Personen aus dem Umfeld der Freien Kräfte Schwalm-Eder
laufen mindestens 13 Verfahren - wegen Sachbeschädigung,
versuchter Tötung, Raub, Körperverletzung, Beleidigungsdelikten
und der Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen.
Der
Fall ist noch längst nicht abgeschlossen. Schon gar
nicht für das 13-jährige Opfer und seine Familie.
Als die Parteien jüngst im Landtag über die
Schuldfrage stritten, saß die Mutter im Publikum.
Ihre Tochter ist nun daheim. Sie hat überlebt.
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Kameradschaftsszene
Neuer
Feind sind linke Jugendliche
von
Pitt von Bebenburg
Die
rechtsextreme Kameradschaftsszene in Nordhessen bereitet
der Landespolitik zunehmende Sorgen. Im Juli war eine
Gruppe linker Jugendlicher von Rechtsextremisten überfallen
worden, die ein 13-jähriges Mädchen schwer
verletzten.
In
einer Debatte des Landtags wurde am Donnerstag deutlich,
dass dieser Vorfall nur die Spitze des Eisbergs war.
Die so genannten "Freien Kräfte" seien
"leider im Schwalm-Eder-Kreis stark verankert",
sagte der SPD-Innenpolitiker Günter Rudolph, der
aus dieser Region stammt.
"Die
NPD verliert die Kraft, rechtsextreme Gruppierungen
zu binden", meinte der FDP-Abgeordnete Wolfgang
Greilich. Durch diese Zersplitterung der Szene entstehe
eine "steigende Gefahr". Innenminister Volker
Bouffier (CDU) berichtete, dass der Verfassungsschutz
ein "Kompetenzzentrum Rechtsextremismus" aufbaue,
für das sechs neue Mitarbeiter eingestellt würden.
Der
Landtag beschloss mehrere Anträge, die die brutale
Gewalttat verurteilten und ein entschiedenes Vorgehen
gegen Rechtsextremismus einforderten. Dabei gab es jedoch
unterschiedliche Mehrheiten. Die Linke lehnte eine Passage
ab, in der "die Aktivitäten des Verfassungsschutzes
und der Sicherheitsbehörden zur Bekämpfung
und Aufklärung extremistischer Gewalt" begrüßt
wurden. CDU und FDP enthielten sich bei einem Antrag
der Linken, weil dieser nur Rechts-, aber nicht Linksextremismus
verurteilte. Diese "Einseitigkeit" mache man
nicht mit, sagte der CDU-Innenpolitiker Peter Beuth.
Er verwies zudem darauf, dass Hessen "das erfolgreichste
Land bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus"
sei.
Grünen-Fraktionschef
Tarek Al-Wazir entgegnete, es sei "dem 13-jährigen
Mädchen ziemlich egal, wie das in der Statistik
aussieht". SPD-Politiker Rudolph fügte hinzu,
der Angriff auf die Jugendlichen besitze "eine
neue Qualität".
Die
parlamentarische Geschäftsführerin der Linken,
Marjana Schott, bekräftigte Vorwürfe gegen
die Sicherheitsbehörden. Sie hätten vor dem
Überfall gewusst, wie gefährlich die Täter
seien. Die Tat wäre deswegen zu verhindern gewesen.
Zuvor hatte bereits Landtags-Vizepräsident Hermann
Schaus (Linke) solche Vorwürfe formuliert. Die
FDP forderte deswegen seinen Rücktritt. Über
den Antrag wurde noch nicht abgestimmt. Er wird zunächst
im Ältestenrat des Landtags erörtert.
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Kameradschaftsszene
Verstärkter
Kampf gegen Neonazis
von
Pitt von Bebenburg
Die
rechtsextreme Kameradschaftsszene in Nordhessen bereitet
der Landespolitik zunehmende Sorgen. Im Juli war eine
Gruppe linker Jugendlicher von Rechtsextremisten überfallen
worden, die ein 13-jähriges Mädchen schwer
verletzten.
In
einer Debatte des Landtags wurde am Donnerstag deutlich,
dass dieser Vorfall nur die Spitze des Eisbergs war.
Die so genannten "Freien Kräfte" seien
"leider im Schwalm-Eder-Kreis stark verankert",
sagte der SPD-Innenpolitiker Günter Rudolph,
der aus dieser Region stammt.
"Die
NPD verliert die Kraft, rechtsextreme Gruppierungen
zu binden", meinte der FDP-Abgeordnete Wolfgang
Greilich. Durch diese Zersplitterung der Szene entstehe
eine "steigende Gefahr". Innenminister Volker
Bouffier (CDU) berichtete, dass der Verfassungsschutz
ein "Kompetenzzentrum Rechtsextremismus"
aufbaue, für das sechs neue Mitarbeiter eingestellt
würden.
Der
Landtag beschloss mehrere Anträge, die die brutale
Gewalttat verurteilten und ein entschiedenes Vorgehen
gegen Rechtsextremismus einforderten. Dabei gab es
jedoch unterschiedliche Mehrheiten. Die Linke lehnte
eine Passage ab, in der "die Aktivitäten
des Verfassungsschutzes und der Sicherheitsbehörden
zur Bekämpfung und Aufklärung extremistischer
Gewalt" begrüßt wurden. CDU und FDP
enthielten sich bei einem Antrag der Linken, weil
dieser nur Rechts-, aber nicht Linksextremismus verurteilte.
Diese "Einseitigkeit" mache man nicht mit,
sagte der CDU-Innenpolitiker Peter Beuth. Er verwies
zudem darauf, dass Hessen "das erfolgreichste
Land bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus"
sei.
Grünen-Fraktionschef
Tarek Al-Wazir entgegnete, es sei "dem 13-jährigen
Mädchen ziemlich egal, wie das in der Statistik
aussieht". SPD-Politiker Rudolph fügte hinzu,
der Angriff auf die Jugendlichen besitze "eine
neue Qualität".
Die
parlamentarische Geschäftsführerin der Linken,
Marjana Schott, bekräftigte Vorwürfe gegen
die Sicherheitsbehörden. Sie hätten vor
dem Überfall gewusst, wie gefährlich die
Täter seien. Die Tat wäre deswegen zu verhindern
gewesen. Zuvor hatte bereits Landtags-Vizepräsident
Hermann Schaus (Linke) solche Vorwürfe formuliert.
Die FDP forderte deswegen seinen Rücktritt. Über
den Antrag wurde noch nicht abgestimmt. Er wird zunächst
im Ältestenrat des Landtags erörtert.
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Wiesbaden:
CDU und FDP attackieren Linkspartei in Landtagsdebatte
wegen Kontakten zur Roten Hilfe. Mit brutalem Neonaziübergriff
haben sie kein Problem.
von
Hans-Gerd Öfinger

Zu
einer Schlammschlacht geriet am Donnerstag die Plenardebatte
im hessischen Landtag. Die CDU hatte sich nach eigenen
Angaben vorgenommen, zum "Schutz unserer Demokratie
und unseres Rechtsstaats vor revolutionären Zielen
der Linkspartei" beizutragen. Im Bündnis mit
der FDP warf sie der Partei vor, mit einer "extremistischen,
verfassungsfeindlichen und RAF-nahen Organisation"
zu sympathisieren. Gemeint war der Rote Hilfe e.V..
CDU-Fraktionschef Christean Wagner kritisierte, daß
die Linksfraktion für eine "schriftliche Anhörung"
zu einem Antrag zum Landespolizeigesetz neben etlichen
anderen Sachverständigen auch Vertreter der Solidaritätsorganisation
hinzuziehen möchte. Die Rote Hilfe habe im Landtag
nichts zu suchen, wetterte Ministerpräsident Roland
Koch (CDU). Er forderte die SPD vor dem Hintergrund
der »rot-rot-grünen« Bündnispläne
auf, eine «klare Grenze» zu jenen zu ziehen,
die die Organisation offen unterstützten. Für
Die Linke verteidigte deren rechtspolitischer Sprecher
Ulrich Wilken die Einladung an die Solidaritätsorganisation
zur Stellungnahme, weil diese vielen Demonstranten anläßlich
des G-8-Gipfels 2007 in Heiligendamm Rechtsbeistand
gewährt habe. Neben der Roten Hilfe hatte die Linksfraktion
unter anderem die FDP-Politiker Gerhart Baum und Burkhard
Hirsch als Experten für die Anhörung vorgeschlagen.
Auch
der Überfall auf ein Sommerlager der hessischen
Linksjugend [solid] im Schwalm-Eder-Kreis löste
eine heftige Debatte im Landtagsplenum aus. Bei dem
Vorfall war Ende Juli ein 13jähriges Mädchen
von einem Neonazischläger fast totgeschlagen
worden. Während alle anderen Fraktionen ihre
Abscheu über die Tat und ihr Mitgefühl aussprachen,
nahmen CDU und FDP die Debatte zum Anlaß, um
den Rücktritt von Landtagsvizepräsident
Hermann Schaus (Die Linke) zu fordern. Schaus hatte
sich im Juni kritisch zur Überwachung seiner
Partei durch das Landesamt für Verfassungsschutz
geäußert. Vorige Woche hatte er dann im
Innenausschuß die Frage aufgeworfen, ob die
Behörden und insbesondere der Landesverfassungsschutz
wirklich alles unternommen hätten, um den Neonaziübergriff
gegen das Jugendcamp zu verhindern. Schließlich
seien entsprechende Bedrohungen durch Angehörige
der regionalen Neonaziszene schon länger bekannt
gewesen. Mit dieser "Entgleisung", so der
FDP-Abgeordnete Florian Rentsch, habe er sich als
"Scharfmacher" erwiesen und das Amt des
Landtagsvizepräsidenten "instrumentalisiert".
Ein
Antrag der Linksfraktion, der den Mordanschlag auf
die 13jährige verurteilt und zum Engagement gegen
Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus aufruft,
wurde mit der Mehrheit von SPD, Grünen und Linksfraktion
bei Enthaltung von CDU und FDP angenommen.
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Razzia
bei Neonazis in Hessen
Festnahmen
von Rechtsextremen im Schwalm-Eder-Kreis
von
Gitta Düperthal
Bei
einer Razzia bei Mitgliedern der Neonazigruppe "Freie
Kräfte Schwalm-Eder" hat die hessische Polizei
am Donnerstag sieben Personen vorläufig festgenommen.
Die Durchsuchungen standen nach Angaben der Polizei
vom Freitag in keinem Zusammenhang mit dem Überfall
auf das Camp der Linksjugend solid, bei dem am vergangenen
Wochenende ein 13jähriges Mädchen lebensgefährlich
verletzt worden war. Die Ermittler seien durch mehrere
Straftaten in den vergangenen Monaten auf die "Kameradschaft"
aufmerksam geworden. Bei der Durchsuchung am Donnerstag
beschlagnahmte die Polizei Hakenkreuze und Waffen sowie
mehrere tausend Aufkleber, Sprayvorlagen und Sturmhauben.
Die sieben Festgenommenen sind mittlerweile wieder auf
freien Fuß gesetzt.
Noch
am Mittwoch hatte der Sprecher der Polizeidirektion
in Homberg Markus Brettschneider auf Nachfrage von
junge Welt erklärt, von "vernetzten Strukturen"
der Neonazis in Hessen könne keine Rede sein.
Pfarrer Hans Christoph Stoodt von der Anti-Nazi-Koordination
aus Frankfurt berichtete gegenüber junge Welt
von weiteren Versuchen der Verharmlosung. So habe
der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU)
im Juni in der Frankfurter Rundschau erklärt,
daß "Rechtsextreme jetzt um Hessen einen
weiten Bogen machen".
Stoodt
ist entsetzt über den »erschütternd
geringen« Kenntnisstand bei der Polizei im Schwalm-Eder-Kreis
und bei Hessens Verfassungsschutz. Dessen Präsident
Alexander Eisvogel habe kürzlich in einem Hörfunkinterview
des Hessischen Rundfunks behauptet, ein neuer Aktionismus
der Neofaschisten sei entstanden, weil der ehemalige
NPD-Vorsitzende Marcel Wöll, "eine Integrationsfigur",
zurückgetreten sei. Wöll, wie in der Sendung
geschehen, als "gemäßigtes Verbindungsglied
von der NPD zu freien Kameradschaften" zu werten,
findet Stoodt skandalös. Wöll, mehrfach
vorbestraft und noch immer auf freiem Fuß, muß
sich in Kürze vor Gericht verantworten, weil
er 2004 einen Gesinnungsgenossen niedergestochen haben
soll. Aus seiner Schule stammten schließlich
Leute wie der für den Überfall vom vergangenen
Wochenende verantwortliche Kevin Schnippkoweit. Stoodt
fordert die Ermittler auf, Warnungen der Antifaschisten
endlich ernst zu nehmen: "Dies alles hätte
man längst wissen können."
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Landesmagazin
de facto im Hessischen Rundfunk am 7. September,
18.00 Uhr
Neue
Militanz von rechts?
Es
war wohl eine der brutalsten und heimtückischsten
Taten von Rechtsextremisten in den letzten Jahren. Am
Morgen des 20. Juli dieses Jahres überfällt
Nazi-Aktivist Kevin S. ein schlafendes Mädchen in
einem Zeltlager von linken Jugendlichen im Schwalm-Eder-Kreis.
Mit einem Klappspaten schlägt er das Mädchen
fast tot. Wir haben uns gefragt, ob das ein Einzelfall
ist oder ob es im Schwalm-Eder-Kreis eine organisierte
rechte Szene gibt. Wer ist Kevin S.? War er der Polizei,
dem Verfassungsschutz bekannt und waren die Behörden
im Vorfeld des Überfalls gewarnt worden? defacto
hat Antworten gesucht.
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Nordhessens
Nazis gewaltbereit
Rechtsextreme
in der Region machen Verfassungsschutz Sorgen - Schwierigkeiten
bei Überwachung
von
Petra Wettlaufer-Pohl
Die
"Freien Kräfte Schwalm-Eder" sind im Landkreis
bekannt, Aufkleber hängen an vielen Straßenecken.
Die Behörden, meint die Linke, hätten die Gefahr
für das Jugendcamp also gekannt. Für Catrin
Rieband, stellvertretende Leiterin des Landesamtes für
Verfassungsschutz, sind die Vorwürfe indessen "inakzeptabel".
"Wir
gehen allen Hinweisen auf Gewalttaten sehr akribisch nach",
betont
die 44-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.
Die
Linke hatte auf einer Demonstartion in Treysa am Vortag
des Neuenhainer Überfalls hingewiesen, bei der der
Haupttäter Kevin S. kurzzeitig in Gewahrsam genommen
worden war. Das könne nicht als Hinweis auf die Tat
gelten, so Rieband. Die Staatsanwaltschaft Kassel sagte
auf Anfrage unserer Zeitung, damals seien nur die Personalien
von Kevin S. überprüft worden, ohne Bezug zu
einer Straftat.
Die
Freien Kräfte Schwalm-Eder sind den Behörden
natürlich bekannt, sie wurden 2005 erstmals im hessischen
Verfassungsschutzbericht erwähnt. Die 20 bis 30 Personen
seien "eher lose miteinander verbunden", so
Rieband. "Seit dem Frühjahr dieses Jahres sind
sie aber besonders aktiv, meist bei Auseinandersetzungen
zwischen Rechts- und Linksextremisten." Die Gruppe
gehöre nicht zu den bundesweit agierenden Autonomen
Nationalisten, die ähnlich auftreten wie der Schwarze
Block der linksradikalen Autonomen, "aber sie orientieren
sich daran".
Die
lose Struktur ist für die Überwachung das Problem.
Die Szene in Süd- und Mittelhessen sei durch die
Aktivitäten des früheren NPD-Vorsitzenden Wöll
zumindest bis zu dessen kürzlichen Wegzug aus der
Wetterau in feste Strukturen eingebunden gewesen. Die
nordhessischen Rechtsextremisten agierten eher eigenständig
in Kleingruppen. "Die sind anlassbezogen schnell
motivierbar und stellen damit auch ein erhöhtes Gewaltpotenzial
dar."
Auch
zu der Tat vom Neuenhainer See soll es derart spontan
gekommen sein; wobei der Verfassungsschutz die Täter
zum Umfeld der Freien Kräften zählt. "Ein
so brutaler Angriff ist außergewöhnlich",
sagt Rieband. Sie warnt auch davor, den Schwalm-Eder-Kreis
deshalb als Hort des Rechtsextremismus anzusehen. Nordhessen
sei "kein Schwerpunkt der Szene". Der überwiegende
Teil der 2800 Rechtsextremisten sei in Mittel- und Südhessen
aktiv, in der Region seien es "deutlich weniger als
ein Drittel davon".
Das
sei aber keine Entwarnung. Neben der Beobachtung der Szene
hält Rieband Prävention für besonders wichtig,
um junge Menschen zu schützen: "Manfred Roeder
hat nicht mehr die Relevanz bei den jungen Leuten. Und
es gibt auch keinen speziellen anderen zusätzlichen
Faktor im Schwalm-Eder-Kreis." Oft sei es Musik,
durch die sie in die Szene gezogen würden, etwa über
die von der NPD verteilte so genannte Schulhof-CD. "Wir
tun viel, um sowohl Behörden als auch Schulen zu
informieren, wir machen selbst auch Aufklärungsveranstaltungen",
sagt Rieband. Beim Hessentag in Homberg hätten viele
Besucher Interesse am Thema gezeigt.
Noch
bessere Erkenntnisse über die lokale und regionale
Entwicklung verspricht sie sich vom "Kompetenzzentrum
Rechtsextremismus", für das auch neue Stellen
geschaffen worden seien. Besetzt sind sie noch nicht alle.
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Pressemitteilung
der Polizei vom 05.09.2008
Presseerklärung
der Fraktion "Die Linke" verärgert Nordhessens
Polizeichef
Polizeipräsident Henning: "Jetzt reichts.
Die Polizei leistet exzellente Arbeit. Wir müssen uns
nicht verleumden lassen

Den jetzt von der Landtagsfraktion der Partei "Die
Linke verbreiteten Vorwurf, Politik, Polizei und Verfassungsschutz
würden gewalttätige Übergriffe gegen politische
Gegner, Menschen anderer Herkunft, Homosexuelle oder Obdachlose
immer wieder "herunterspielen, weist Nordhessens
Polizeichef Wilfried Henning für die Polizei mit deutlichen
Worten und in scharfer Form zurück. "Wir haben
seit Jahren jede einzelne Straftat aus der rechtsextremen
Ecke konsequent und, wie auch zuletzt im Fall des brutalen
Angriffs auf eine 13-Jährige bei einem Zeltlager der
Linken-Jugendgruppe Solid am Neuenhainer See,
erfolgreich mit der Festnahme der Täter bekämpft,
hält Henning entgegen. "Die Polizei in die Ecke
der Weggucker stellen zu wollen, ist nichts als Polemik,
die eine bedenkliche Einstellung gegen die staatlichen Sicherheitsorgane
offenbart. Dies wird auch von den Bürgern genau so
erkannt und durchschaut, erklärt der Polizeichef.
"Meine Leute halten immer wieder den Kopf hin,
kontert Henning. "Da müssen wir uns solche bösartigen
Verleumdungen und Anfeindungen nicht gefallen lassen.
Die Hessische Polizei gehe konsequent gegen jede Art von
Gewalt vor, natürlich und ganz selbstverständlich
auch gegen Gewalt von Rechtsaußen. "Jeder, der
nur ein bisschen Ahnung von Polizeiarbeit hat, erkennt das
auch sofort und ohne besonderen Hinweis. Die Landtagsfraktion
der Partei "Die Linke aber offenbar nicht,
erzürnt sich der Polizeipräsident.
Wilfried Henning ist seit 1994 Polizeipräsident in
Kassel und seit Oktober 2007 auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft
der Polizeipräsidenten in Deutschland.

"Ich wehre mich als Verantwortungsträger in Nordhessen
aber auch gegen die pauschale Verunglimpfung einer ganzen
Region und ihrer Menschen, sagt der Polizeipräsident.
Nordhessen als einen Landstrich "neofaschistischer
Umtriebe hinzustellen, sei geradezu absurd. In den
letzten Jahren seien einige Versuche von auswärtigen
Rechtsradikalen, in Nordhessen beispielsweise Konzerte mit
Neonazi-Musik zu veranstalten, ganz konsequent im Keim erstickt
worden. "Die Initiatoren kamen nicht von hier, hatten
hier Strohmänner gesucht und gefunden, weiß
Henning. Die gute Zusammenarbeit zwischen den kommunalen
Verwaltungen, den Bürgern und der Polizei habe dafür
gesorgt, dass man diese Bestrebungen im Vorfeld erkannt
und konsequent mit Polizeieinsätzen unterbunden habe.

"Und wir haben dann auch jeweils mit unseren nordhessischen
Einsatzkräften dafür gesorgt, dass keine Ersatzveranstaltung
irgendwo anders, z.B. in Thüringen, stattfinden konnte,
legt der Polizeipräsident nach. Außerdem habe
man mit einer offensiven Pressearbeit ohne Mauern immer
dafür gesorgt, dass die Menschen informiert waren,
wenn es denn entsprechende Vorfälle gegeben habe. "Blindheit
auf dem rechten Auge kann man mir und meiner Mannschaft
nun wirklich nicht unterstellen. Das packt uns an der Ehre.
Und dann können und werden wir uns auch sehr wohl zu
wehren wissen, lässt Henning keinen Zweifel an
seiner Entschlossenheit aufkommen, auch in Zukunft solchen
unsachlichen Anfeindungen mit aus der Luft gegriffenen Vorwürfen
konsequent entgegen zu treten.

Wolfgang
Jungnitsch, Kriminalrat
Leiter
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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