11. Februar 2010
Entlassung des nordhessischen Polizeipräsidenten
offenbar auch Dissens
beim Umgang mit "Freie Kräfte"-Nazis
Dem nordhessischen Polizeipräsidenten Wilfried Henning wird der vorzeitige Ruhestand verordnet. Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) gab die Entlassung des 59jährigen im Rahmen weiterer Personalverschiebungen bekannt. Die Berichterstattung in den Medien lässt erkennen, dass es womöglich Meinungsverschiedenheiten bezüglich der personellen Ausstattung der nordhessischen Polizei gegeben hatte. Auch der Dauereinsatz zur Überwachung der "Freien Kräfte Schwalm-Eder" könnte ein Streitpunkt gewesen sein.
Seit 16 Jahren ist Wilfried Henning Polizeipräsident im Polizeipräsidium Nordhessen. Die Presse berichtet, Hessens Innenminister Volker Bouffier habe schon in der Kabinettssitzung am 11. Januar den Beschluss fassen lassen wollen, Wilfried Henning in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen. Doch plötzlich sei Henning noch einmal gebraucht worden. Unerwartet war Peter Raisch verstorben, Präsident des Landeskriminalamtes in Wiesbaden. Der von seinen Kollegen geschätzte Wilfried Henning sei vom Ministerium gebeten worden, die Trauerrede (am 12. Januar) zu halten. Die Entlassung wurde verschoben. Ein Sprecher des Innenministeriums soll das bestätigt haben.
Interessenskonflikte haben sich offenbar bei der Beurteilung des Personalbedarfs in Nordhessen ergeben. Schon länger ist der Öffentlichkeit bekannt, dass die Personaldecke der Polizei in Nordhessen dünn ist. In Kassel wurden Reviere zusammengelegt und Stellen abgebaut. Auf dem Land wurde zuletzt im Werra-Meißner-Kreis eine Einschränkung der Dienstzeiten bekannt gegeben. Nach außen zeigte sich der parteilose Henning immer loyal und verteidigte die Sparmaßnahmen der Koch-Regierung stets. "Gute Miene zum bösen Spiel", überschrieb die örtliche Tageszeitung HNA am Mittwoch einen Rückblick auf die Karriere des Polizeipräsidenten.
Heute hörte man dann durchklingen, dass möglicherweise auch die Situation in der Schwalm ein Punkt gewesen ist, über den sich der für Nordhessen verantwortliche Henning und sein Minister in Wiesbaden nicht einig werden konnten.
Heinrich-Ruppel-Weg in Homberg-Wernswig
Plakat von Rechtsextremen in Neukirchen
Seit Ende 2009 überwachen Einheiten der hessischen Bereitschaftspolizei, so zum Beispiel die so genannte Beweis- und Festnahmeeinheit BFE, die Aktivitäten der rechtsextremen Szene im Raum Schwalmstadt. Es werden so genannte "Gefährderansprachen" geführt, Treffpunkte werden überwacht und kontrolliert, Fahrzeuge werden angehalten. Die Polizei spricht mit Bürgermeistern, Ordnungsämtern, Burschenschaften und Gastronomen. Insbesondere an den Wochenenden wird der Bereich um die Gaststätten "Bunker Beat Lounge" und "Tresor" in Treysa streng überwacht. Über ständige Personenkontrollen wundert sich dort inzwischen niemand mehr.
Der Personalaufwand für den Dauereinsatz soll hoch sein und nach Meldungen der Presse wollte das hessische Innenministerium die Einheiten längst aus der Schwalm abziehen. Dass der als linientreu beschriebene Nachfolger des Polizeipräsidenten die Strategie seines Vorgängers fortsetzen wird ist äußerst unwahrscheinlich. Die Schwälmerinen und Schwälmer müssen sich also schon heute darauf einstellen, mit der Situation ständiger Überfälle, Bedrohungen und Verfolgungen durch Rechtsextreme wieder allein gelassen zu sein.
Stephan Siebrecht, antimanifest
Pressemeldungen zum Thema:
Rechtsradiakle Jugendliche unter besonderer Betreuung der Polizei
Hessische-Niedersächsische Allgemeine, HNA online am 11.02.2010
Henning Rausschmiss: "Wer Mängel benennt, fliegt"
Nordhessennews NH24 am 10.02.2010
Bouffier setzt Polizeipräsident Henning vor die Tür
Nordhessennews NH24 am 09.02.2010
Thurau wird LKA-Chefin
Hessischer Rundfunk online am 09.02.2010
HNA online am 11.02.2010:
Rechtsradiakle Jugendliche unter besonderer Betreuung der Polizei
Unter besonderer Begleitung stehen die rechtsradikalen Freien Kräfte Schwalm-Eder. Besonders an Wochenenden erhalten die Mitglieder des harten Kerns Besuch von der Polizei.
Ziel des Besuchs ist, Konflikte zu vermeiden. Dabei fragen die Polizisten nach der Freizeitplanung und raten den Jugendlichen, bestimmte Ort zu meiden, vor allem jene, an denen viel Alkohol getrunken wird.
Doch damit ist es nicht getan. Die Polizei begleitet die rechten Jugendlichen auch über den Abend hinweg. Sollten es zu Auseinandersetzungen kommen oder die Jugendlichen kommen Anweisungen der Polizei nicht nach, kann es dazu kommen, dass sie von den Beamten in Gewahrsam genommen werden. Bei der zeit- und personalintensiven Begleitung der rechten Jugendlichen erhält die Polizei im Schwalm-Eder-Kreis Unterstützung von anderen Polizeidienststellen in Nordhessen und von der Bereitschaftspolizei.
Über den Einsatz der Bereitschaftspolizei soll es zu Unstimmigkeiten zwischen dem gefeuerten Polizeipräsidenten Nordhessens, Wilfried Hennig, und Innenminister Volker Bouffier gekommen sein. Denn der Minister habe die Bereitschaftspolizei abziehen wollen.
NH24 am 10.02.2010:
Henning Rausschmiss: "Wer Mängel benennt, fliegt"
Als "allzu offenkundig" bezeichnet der SPD-Landtagsabgeordnete Uwe Frankenberger heute in einer Mitteilung an unsere Redaktion den von Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) angeordneten Führungswechsel im Polizeipräsidium Nordhessen. "Wer wie Wilfried Henning auch nur die kleinste - für uns als SPD - berechtigte Kritik an der mangelnden Personalausstattung in Nordhessen äußert, wird rausgeschmissen", resümiert Frankenberger.
Er verweist darauf, dass Henning dem Innenminister stets überaus loyal zur Seite und ihm den Rücken gestärkt habe, "auch in oftmals schwierigen und heiklen Situationen".
Frankenberger kritisiert diese rigorose Vorgehensweise auch im Hinblick auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Wer Mängel benennt, fliegt", bringt es Frankenberger auf den Punkt und hofft, dass "diese Einschüchterung bei den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern keine Früchte trägt".
NH24 am 09.02.2010:
Bouffier setzt Polizeipräsident Henning vor die Tür
Linientreuer Nachfolger wird Eckhard Sauer.
Deutschlands dienstältester Polizeipräsident Wilfried Henning (59), seit 16 Jahren Chef im Polizeipräsidium Nordhessen, wurde heute von Innenminister Volker Bouffier in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger wird sein ehemaliger Vize und jetziger Polizeipräsident im Polizeipräsidium Osthessen, Eckhard Sauer (60).
Bouffier in einer schriftlichen Mitteilung: "Wilfried Henning hat große Verdienste erworben, insbesondere für die Polizei in Nordhessen“. In jüngster Zeit haben sich jedoch unterschiedliche Auffassungen über die Führung der Behörde ergeben. "Daher haben wir vereinbart, den jetzt eingeschlagenen Weg zu gehen“, begründete Bouffier seinen Schritt, ohne näher auf die Gründe einzugehen.
Eckhard Sauer
Für den gebürtigen Nordhessen Sauer ist sein zukünftiges Einsatzgebiet altbekanntes Terrain. Bereits von 2001 bis 2006 war er Vizepräsident des Polizeipräsidiums Nordhessen, bis er 2006 als Präsident nach Osthessen wechselte. Eckhard Sauer hat 1967 seinen Dienst bei der hessischen Polizei begonnen. Nach seinen ersten Jahren als Sachbearbeiter im Polizeipräsidium Frankfurt zog es ihn zurück nach Nordhessen. Dort war er unter anderem 'Dezernent Kriminalpolizei' im Regierungspräsidium und später ab 1999 Leiter der Polizeidirektion in Korbach.
Jürgen Diehl
Zuwachs bekommt das Polizeipräsidium Nordhessen mit Jürgen Diehl (51), derzeit 'Leiter Einsatz' des Polizeipräsidiums Frankfurt. Jürgen Diehl wird die Aufgabe des Vizepräsidenten des Polizeipräsidiums Nordhessen übernehmen. Der aus Willingshausen-Loshausen stammende Diehl ist in Nordhessen kein Unbekannter: Von 1997 bis 2003 war er in unterschiedlichen Funktionen in der Polizeidirektion Schwalm-Eder tätig, zuletzt als deren Leiter.
Alfons Hoff
Der bisherige Polizeivizepräsident im Polizeipräsidium Nordhessen, wird ebenfalls Nordhessen verlassen. Er wechselt nach Osthessen auf die Position des dortigen Polizeipräsidenten. Alfons Hoff ist seit 1968 in der hessischen Polizei und hat das Handwerk von der Pike auf gelernt. Zugleich besitzt Hoff reichlich Erfahrung in Führungsämtern, unter anderem als Polizeidirektor in Waldeck-Frankenberg, als Vizepräsident in Westhessen und seit 2005 in der gleichen Position in Nordhessen.
Thurau wird LKA-Chefin
Erstmals wird das Landeskriminalamt von einer Frau geleitet. Sabine Thurau wird Nachfolgerin des kürzlich verstorbenen LKA-Präsidenten Peter Raisch. Zudem gab es weitere Veränderungen in der Polizeispitze.
Die 54-jährige Thurau sei innovativ, qualifiziert und engagiert, erklärte Innenminister Volker Bouffier (CDU) am Dienstag in Wiesbaden. Daher eigne sie sich in besonderer Weise für dieses Spitzenamt der hessischen Polizei.
Unter ihrer Leitung werde das LKA seine Spitzenposition innerhalb der Bundesrepublik ausbauen, sagte der Minister. Die Frankfurterin absolvierte eine Ausbildung bei der Kriminalpolizei und studierte später Jura. Anschließend war sie in verschiedenen Leitungspositionen im hessischen Inneministerium tätig. Seit 2002 amtierte sie als Vizepräsidentin des Frankfurter Polizeipräsidiums.
Größere Veränderungen in Polizeispitze
Thurau tritt die Nachfolge von Peter Raisch an. Der bisherige LKA-Chef war Anfang des Jahres im Alter von 63 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt gestorben. Er hatte das LKA sechs Jahre lang geleitet.
Die Berufung Thuraus ist Teil größerer Veränderungen innerhalb der hessischen Polizei. So wird der bisherige Landespolizei-Vizepräsident Günter Hefner Präsident des Polizeipräsidiums Südosthessen. Er tritt die Nachfolge von Heinrich Bernhardt an, der aus Altersgründen in den Ruhestand tritt.
Nachfolger Hefners als LKA-Vizepräsident wird Oberstaatsanwalt Hermann Josef Klüber. Dieser ist derzeit bei der Generalstaatsanwaltschaft Thüringen tätig. Der 54-Jährige könne auf eine erfolgreiche Laufbahn als Staatsanwalt in Bayern, Hessen und Thüringen zurückblicken, erklärte Bouffier.
Nordhessischer Polizeichef in Ruhestand versetzt
Zugleich gab das Innenministerium die Ablösung des nordhessischen Polizeipräsidenten bekannt. "Wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Führung der Behörde" sei Wilfried Henning in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden, teilte das Ministerium mit.
"Das muss ich hinnehmen", erklärte Henning dazu am Dienstag in der hr-hessenschau. Es habe unterschiedliche Auffassungen über die Wahrnehmung polizeilicher Aufgaben gegeben. Ein politischer Beamter wie ein Polizeipräsident könne ohne Angabe von Gründen in den Ruhestand versetzt werden. Sein Nachfolger wird der bisherige osthessische Polizeipräsident Eckhard Sauer.
Von seiner bisherigen Position als Vizepräsident der Poliei Nordhessen wechselt Alfons Hoff in das Amt des osthessischen Polizeipräsidenten. Neuer Vize im Polizeipräsidium Nordhessen wird der 51-jährige Jürgen Diehl, der aus Nordhessen stammt. Von 1997 bis 2003 war er in unterschiedlichen Funktionen in der Polizeidirektion Schwalm-Eder tätig.
 
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letzte Aktualisierung: 11.02.10