10. November 2009
Blickpunkt Schwalm
Polizist bei Angriff durch Rechtsextreme
schwer verletzt
Nur eine Woche nach dem Angriff von "Freie-Kräfte"-Nazis auf Besucher der Kirmes in Borken-Arnsbach kam es am vergangenen Wochenende erneut zu einem Angriff auf eine Kirmes durch örtliche Rechtsextreme. Im Schwalmstädter Ortsteil Dittershausen wurde in der späten Nacht von Samstag auf Sonntag wieder eine Schlägerei von den Rechten provoziert. Eingesetzte Polizeibeamte wurden bei dem Versuch der Festnahme eines Verdächtigen dann von einem Angreifer getreten und teilweise schwer verletzt.
"Auch Röhm war nur ein brutaler Schläger"
Goethes Erben
Um drei Uhr in der Nacht gingen bei der Polizeistation Schwalmstadt verschiedene Anrufe ein. Auf der Kirmes in Dittershausen sei eine größere Schlägerei im Gange, meldeten die Anrufer. Es fuhren darauf gleich mehrere Streifenwagen nach Dittershausen, ein Dorf in der Gemeinde Schwalmstadt im Schwalm-Eder-Kreis. Die Polizei gibt an, mit Auseinandersetzungen gerechnet zu haben. Man habe darum auch verstärkt Kräfte in Bereitschaft gehalten.
Zeugen gaben den Beamten dann Hinweise und verwiesen auf eine abseits stehende Gruppe von vier Personen. Unter ihnen sei auch einer der Schläger. Der Personalienfeststellung widersetzten sich die vier jungen Männer, wobei der Wortführer wohl besonders aggressiv aufgetreten ist. Beim Versuch der Festnahme wurden die Beamten dann aus einer weiteren Gruppe von etwa 10 bis 15 Personen heraus angegriffen. Eine männliche Person trat dabei aus vollem Anlauf heraus einem der am Boden knienden Polizeibeamten mit dem Fuß gegen den Kopf. Die schließlich festgenommenen jugendlichen Täter, 17 und 19 Jahre alt, werden der Gruppe "Freie Kräfte Schwalm-Eder" zugerechnet, so die Polizei in ihrer Pressemitteilung.
Der schwer verletzte Polizist wurde inzwischen in eine Spezialklinik für Gesichts- und Schädelbrüche verlegt, so ist aus der Presse zu erfahren. Wie die Untersuchungen ergaben, hat er neben einem Jochbeinbruch auch noch einen Kieferbruch und Verletzungen der Augenhöhle erlitten.
Der 17-jährige Tatverdächtige, dem vorgeworfen wird, dem Polizisten mit einem Tritt gegen den Kopf mehrere Brüche im Gesicht zugefügt zu haben, ist nach seiner Vorführung vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt wieder frei. Das Gericht sieht weder Flucht- noch Verdunklungsgefahr. Die Staatsanwaltschaft hatte Untersuchugshaft beantragt.
Stephan Siebrecht, antimanifest
Pressemitteilung der Polizeidirektion Schwalm-Eder in Homberg (Efze), 09.11.2009, 15.49 Uhr:
Schwalmstadt: Schlägerei auf der Kirmes -
zwei Personen vorläufig festgenommen - ein Polizeibeamter schwer, zwei weitere leicht verletzt
Pressemitteilung am 09.11.2009
Pressemeldungen zum Thema:
"Freie Kräfte Schwalm-Eder" treten auf Polizisten ein
Nordhessennews NH24 am 08.11.2009
Polizist schwer verletzt
Hessische-Niedersächsische Allgemeine, HNA online am 08.11.2009
Interview mit Stephan Siebrecht zum Thema in der Jungen Welt am 10.11.2009:
"Neonazigruppe müßte längst aufgelöst sein"
Junge Welt am 10.11.2009
Pressemitteilung der Polizeidirektion Schwalm-Eder in Homberg (Efze), 02.11.2009, 13.21 Uhr:
Schwalmstadt: Schlägerei auf der Kirmes
zwei Personen vorläufig festgenommen,
ein Polizeibeamter schwer, zwei weitere leicht verletzt
Der 17-jährige, der in der Nacht zu Sonntag in Schwalmstadt-Dittershausen festgenommen worden ist (ich berichtete, siehe unten), wurde heute auf Antrag der Staatsanwaltschaft Marburg beim zuständigen Amtsgericht vorgeführt. Wegen fehlender Haftgründe wurde der 17-jährige im Anschluss auf freien Fuß gesetzt.
Der schwer verletzte Polizeibeamte wurde heute in eine Spezialklinik verlegt. Neben dem bereits bekannten Bruch eines Jochbeins wurden weitere schwere Gesichtsverletzungen diagnostiziert.
Die Polizei führt intensive Ermittlungen zur weiteren Rekonstruktion der Geschehnisse.
Reinhard Giesa, KHK
Presseinformation vom 08.11.09:
Schwalmstadt-Dittershausen: Schlägerei auf der Kirmes - zwei Personen (beide den Freien-Kräften-Schwalm-Eder zuzurechnen) vorläufig festgenommen - ein Polizeibeamter schwer, zwei weitere leicht verletzt - Ermittlungsverfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte; Schwerer Landfriedensbruch; Verdacht der Gefangenenbefreiung; Körperverletzung.
In der Nacht zu Sonntag wurden in Schwalmstadt-Dittershausen drei Polizeieinsatzkräfte während eines Einsatzes wegen Schlägereien zwischen Kirmesbesuchern verletzt. Ein Polizeibeamter wurde dabei schwer verletzt. Er erlitt neben Prellungen einen Jochbeinbruch. Er wurde stationär in einem Krankenhaus aufgenommen. Ein weiterer Beamter erlitt eine schwere Prellung mit Lähmungserscheinungen an einem Arm. Eine Polizeibeamtin bekam Pfefferspray in die Augen, als der bereits schwer verletzte Kollege dieses gegen eine Gruppe von ca. 10 bis 15 Angreifern einsetzte, die die Polizeibeamten darin hindern wollten, einen Tatverdächtigen festzunehmen. Gegen 03.00 Uhr waren bei der Polizeistation Schwalmtstadt mehrere Anrufe eingegangen, dass auf der Kirmes in Dittershausen eine größere Schlägerei im Gange sei. Sofort begaben sich mehrere Funkwagenbesatzungen nach Dittershausen. Vor dem Veranstaltungsort, Dorfgemeinschaftshaus, befanden sich zu diesem Zeitpunkt ca. 50 bis 70 Personen. Bereits während der Anfahrt zum Einsatzort wurden in Dittershausen drei leicht verletzte Personen angetroffen, die angaben, auf der Kirmes zusammengeschlagen worden zu sein. Alle wollten aber zunächst keine Anzeige erstatten. Die Personalien dieser Geschädigten wurden festgestellt. Nach Hinweisen von Geschädigten und Zeugen von dem Dorfgemeinschaftshaus wollten die Beamten eine Gruppe von 4 Personen überprüfen und deren Personalien feststellen. Unter ihnen befände sich einer der Schläger. Die Gruppe, die auf der anderen Straßenseite etwas abgesetzt stand, versuchte zuerst, sich der Kontrolle zu entziehen, konnte dann aber nach wenigen Metern eingeholt werden. Die 4 Personen widersetzten sich der Personalienfeststellung. Es kam zu einem Gerangel mit den Polizeibeamten. Eine männliche Person, der Wortführer der Gruppe, zeigte sich besonders aggressiv. Ihm wurde seine vorläufige Festnahme erklärt. Der Mann wurde auf dem Boden fixiert und sollte Handfesseln angelegt bekommen. In diesem Moment nahm eine männliche Person aus einer größeren Gruppe umstehender Personen heraus Anlauf und trat einen der am Boden knienden Polizeibeamten aus vollem Lauf mit dem Fuß gegen den Kopf. Dann trat der Mann sofort nochmals gegen den Beamten nach und flüchtete im Anschluss. Er konnte nach wenigen Metern ergriffen und festgenommen werden. Während dessen versuchten ca. 10 bis 15 Umstehende die Festnahme des zuerst Festgenommenen zu verhindern. Der zu diesem Zeitpunkt bereits durch den Fußtritt schwer verletzte Beamte setzte Pfefferspray gegen die umstehenden Personen ein, um sie auf Distanz zu halten. In der Folge beruhigte sich die Lage. Inzwischen waren auch noch weitere Funkwagen am Ort eingetroffen. Die beiden jungen Männer wurden nach ihrer vorläufigen Festnahme zur Polizeistation Schwalmstadt verbracht. Da beide offensichtlich unter Alkoholeinfluss standen, wurde bei beiden die Entnahme einer Blutprobe angeordnet. Bei den Festgenommenen handelt es sich um einen 19-jährigen und einen 17-jährigen Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Beide sind bereits polizeilich, auch wegen Körperverletzungsdelikten, in Erscheinung getreten. Beide werden den Freien-Kräften-Schwalm-Eder zugerechnet. Beide befinden sich zurzeit in Polizeigewahrsam. Die Ermittlungen dauern an. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.
Reinhard Giesa, KHK
NH24 am 08.11.2009:
"Freie Kräfte Schwalm-Eder" treten auf Polizisten ein
Heute Nacht wurden in Schwalmstadt-Dittershausen drei Polizisten während eines Einsatzes wegen Schlägereien zwischen Kirmesbesuchern verletzt. Ein Polizeibeamter erlitt neben Prellungen einen Jochbeinbruch und befindet sich stationär im Krankenhaus. Ein weiterer Beamter erlitt eine schwere Prellung mit Lähmungserscheinungen an einem Arm. Eine Polizeibeamtin bekam Pfefferspray in die Augen, als der bereits schwer verletzte Kollege dieses gegen eine Gruppe von ca. 10 bis 15 Angreifern einsetzte, die die Polizeibeamten daran hindern wollten, einen Tatverdächtigen festzunehmen, berichtet Reinhard Giesa von der Homberger Kripo.
Gegen 3 Uhr waren bei der Polizeistation Schwalmstadt verschiedene Anrufe eingegangen, dass auf der Kirmes in Dittershausen eine größere Schlägerei im Gange sei. Sofort begaben sich mehrere Funkwagenbesatzungen nach Dittershausen.

Auf nh24 Anfrage erklärte die Polizei, dass im Vorfeld der Kirmes mit Auseinandersetzungen gerechnet wurde. Aus diesem Grund hielt man verstärkt Kräfte in Bereitschaft.
Drei leicht verletzte Kirmesbesucher
Vor dem Veranstaltungsort der Kirmes, dem Dorfgemeinschaftshaus, befanden sich zu diesem Zeitpunkt ca. 50 bis 70 Personen. Bereits während der Anfahrt zum Einsatzort wurden in Dittershausen drei leicht verletzte Personen angetroffen, die angaben, auf der Kirmes zusammengeschlagen worden zu sein. Alle wollten aber zunächst keine Anzeige erstatten.
Auf der Suche nach den Schlägern
Nach Hinweisen von Opfern und Zeugen vor dem Dorfgemeinschaftshaus wollten die Beamten eine Gruppe von vier Personen überprüfen und deren Personalien feststellen. Unter ihnen befände sich einer der Schläger. Die Gruppe, die auf der anderen Straßenseite etwas abgesetzt stand, versuchte zuerst, sich der Kontrolle zu entziehen, konnte dann aber nach wenigen Metern eingeholt werden.
Tritt gegen Kopf verletzt Beamten schwer
Die vier Personen widersetzten sich der Personalienfeststellung. Es kam zu einem Gerangel mit den Polizeibeamten. Eine männliche Person, der Wortführer der Gruppe, zeigte sich besonders aggressiv. Ihm wurde seine vorläufige Festnahme erklärt, er wurde wurde auf dem Boden fixiert und sollte Handfesseln angelegt bekommen. In diesem Moment nahm eine männliche Person aus einer größeren Gruppe umstehender Personen heraus Anlauf und trat einem der am Boden knienden Polizeibeamten aus vollem Lauf mit dem Fuß gegen den Kopf. Dann trat der Mann sofort nochmals gegen den Beamten nach und flüchtete im Anschluss. Er konnte nach wenigen Metern ergriffen und festgenommen werden.
Kirmesbesucher verbünden sich mit Schlägern
Während dessen versuchten ca. 10 bis 15 Anwesende die Festnahme des zuerst Festgenommenen zu verhindern. Der zu diesem Zeitpunkt bereits durch den Fußtritt schwer verletzte Beamte setzte Pfefferspray gegen die umstehenden Personen ein, um sie auf Distanz zu halten. In der Folge beruhigte sich die Lage. Inzwischen waren auch noch weitere Funkwagen am Ort eingetroffen.
Nach Treysa und Arnsbach nun Dittershausen
Die beiden jungen Männer wurden nach ihrer vorläufigen Festnahme zur Polizeistation Schwalmstadt gebracht. Da beide offensichtlich unter Alkoholeinfluss standen, wurde bei beiden die Entnahme einer Blutprobe angeordnet.
Bei den Festgenommenen handelt es sich um einen 19-jährigen und einen 17-jährigen Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Beide sind bereits polizeilich, auch wegen Körperverletzungsdelikten, in Erscheinung getreten. Sie werden den "Freien-Kräften-Schwalm-Eder" zugerechnet und befinden sich zurzeit in Polizeigewahrsam. Die Ermittlungen dauern an. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.
Gegen die jungen Männer wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, schweren Landfriedensbruches, Verdacht der Gefangenenbefreiung und Körperverletzung eingeleitet.
HNA online am 08.11.2009:
Polizist schwer verletzt
Schlägerei bei Kirmes in Schwalmstadt-Dittershausen - Zwei Männer festgenommen
von Jürgen Köcher
Drei Polizisten sind in der Nacht zu Sonntag bei einer Schlägerei zwischen Besuchern einer Kirmes in Schwalmstadt-Dittershausen verletzt worden. Einer der drei Einsatzkräfte wurde dabei schwer verletzt: Mit einem Jochbeinbruch wurde der Polizist stationär im Ziegenhainer Krankenhaus aufgenommen, teilt Reinhard Giesa, Sprecher der Kriminalpolizei in Homberg, mit. Ein weiterer Beamter erlitt eine schwere Armprellung mit Lähmungserscheinungen, eine Polizeibeamtin bekam Pfefferspray in die Augen.

Gegen 3 Uhr gingen gestern bei der Polizeistation Ziegenhain Anrufe ein, dass auf der Kirmes in Dittershausen eine größere Schlägerei im Gange sei. Vor dem Dorfgemeinschaftshaus befanden sich zu diesem Zeitpunkt rund 60 Personen. Bereits am Ortseingang trafen die Polizeikräfte, die in mehreren Streifenwagen nach Dittershausen geeilt waren, drei leicht verletzte Personen an. Diese gaben an, auf der Kirmes zusammengeschlagen worden zu sein, wollten aber keine Anzeige erstatten.
Nach Zeugenhinweisen wollten die Beamten gegenüber des DGH vier Personen überprüfen - weil sich unter ihnen einer der Schläger befände, hieß es. Die Gruppe versuchte zuerst zu flüchten, wurde aber eingeholt, sagt Giesa. Die vier Personen leisteten Widerstand, es kam zu einem Gerangel mit den Polizisten. "Ein Mann, Wortführer der Gruppe, war besonders aggressiv", berichtet der Polizeisprecher. Um ihn festnehmen zu können, hielten mehrere Polizisten den 19-Jährigen auf dem Boden fest und wollten ihm Handfesseln anlegen. In diesem Moment habe ein Mann aus einer größeren Gruppe umstehender Personen heraus Anlauf genommen und einem Polizeibeamten, der am Boden kniete, aus vollem Lauf mit dem Fuß gegen den Kopf getreten. Dann trat der 17-Jährige weiter nach dem Beamten, flüchtete, wurde aber festgenommen.
Währenddessen versuchten etwa 15 Umstehende die Festnahme des 19-Jährigen zu verhindern. Der durch den Fußtritt schwer verletzte Beamte setzte Pfefferspray ein, um die umstehenden Personen auf Distanz zu halten.
Inzwischen trafen weitere Streifenwagen am DGH ein. Gegen die beiden jungen, offensichtlich alkoholisierten Männer wird nun unter anderem wegen Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt. Beide stammen aus dem Schwalm-Eder-Kreis und sind bereits, auch wegen Körperverletzung, polizeibekannt.
Und: Beide werden den Freien Kräften-Schwalm-Eder zugerechnet, erklärt Giesa. Ein rechtsradikaler Hintergrund sei aber bei der Schlägerei nicht erkennbar gewesen. Die Männer befinden sich zurzeit in Polizeigewahrsam, die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet.
Junge Welt am 02.11.2009:
"Neonazigruppe müßte längst aufgelöst sein"
Hessischer Landtag diskutiert hinter verschlossenen Türen über "Kameradschaft" im Schwalm-Eder-Kreis. Ein Gespräch mit Stephan Siebrecht.
Interview: Gitta Düperthal
Stephan Siebrecht ist Verfasser der Internetseite www.antimanifest.de, auf der rechtsextreme Gewalt in Nordhessen dokumentiert wird.
In Nordhessen haben Neofaschisten mehrfach Nazigegner auf Demonstrationen überfallen und andersdenkende Jugendliche krankenhausreif geschlagen. Verantwortlich sind meist Mitglieder der neofaschistischen sogenannten Kameradschaft "Freie Kräfte Schwalm-Eder" (FKSE). Der Hessische Landtag will nun über das Problem diskutieren. Allerdings hinter verschlossenen Türen…

Die Partei Die Linke kritisiert zu Recht, daß man das Thema geheim in einer Sitzung des Innenausschusses debattieren will. Dennoch gilt es zunächst festzuhalten, daß sich im Schwalm-Eder-Kreis in den Köpfen viel bewegt hat. Immerhin nimmt man sich des Themas an.
Für die Geheimhaltung gibt es sicher Gründe. Andernfalls würden die Standpunkte der Christdemokraten ja öffentlich werden. Beispielsweise hat der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU) gesagt, eine organisierte Rechte sei nur als solche einzuordnen, wenn sie Uniformen trägt und eine Kasse unterhält. Das brachte ihm die Kritik ein, die Rechten zu verharmlosen. Offenbar sorgt er sich, daß man ihm erneut solche Vorwürfe machen könnte.
Was hat die CDU davon, das Thema kleinzureden?
Eigentlich müßten Sie das den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) fragen. Aber es hat vermutlich mit den CDU-Wählern zu tun, die zwar auf keinen Fall als rechtskonservativ oder -radikal zu bezeichnen sind. Aber sie sind sicher zum Großteil schwerlich zu motivieren, sich öffentlich gegen Rechte zu positionieren. In diesem Punkt stimme ich mit der Rechtsextremismus-Expertin Kirsten Neumann vom mobilen Beratungsteam gegen Rassismus überein, die die Lage im Kreis untersucht hat: Wir haben es häufig mit Menschen zu tun, die den Neofaschisten näher stehen als Anhängern der Linken oder ihrer Jugendorganisation solid. In Dörfern der Schwalm gibt es eine weit verbreitete Haltung, die mit Duldung, Tolerierung und Wegsehen zu tun hat. Jetzt sieht sich die CDU in der Zwickmühle, diese Menschen auffordern zu müssen, sich zu ändern. Dabei weiß sie, daß ihre Parteibasis in weiten Teilen auch denkt, daß Ausländer und Linke ein Problem sind.
Auch Polizei und Verfassungsschutz behaupten, es gäbe keine rechtsextremen Strukturen im Kreis. Das neue Gutachten von Kirsten Neumann dokumentiert hingegen: Neonazis gehören fast schon zur Normalität…
Das sehe ich auch so. Zwischen Rechtskonservativen und -radikalen ist allerdings schwer zu unterscheiden. Übergänge sind manchmal fließend. Einerseits haben wir es mit Radikalen zu tun, die sich eine Reichskriegsflagge über ihr Bett hängen, andererseits mit jungen Extremisten, die auf alles einschlagen, was nicht in ihr Weltbild paßt. Es geht mit Schubsen los und artet in Schlägereien aus. Das ist nicht neu. Wenn ich an meine Jugend denke, da gab es in den Dörfern an den Wochenenden oft Kirmes mit Festzelt, Bier und Kapelle. Da das Angebot ansonsten gegen null tendierte, war das für Jugendliche ein Highlight. Meine Freunde und ich gingen dort aber niemals hin. Als Langhaarige mußten wir uns dort fürchten. Wenn sich hier Ideologen von rechts einmischen und Einfluß gewinnen, gibt das eine gefährliche Mischung.
Wie sollten Politiker reagieren?
Mehr Ausbildungsplätze fordern, wie es die Linkspartei tut, ist richtig. Aber es geht um mehr: Schenkt dieser Jugend Aufmerksamkeit, kümmert euch um Freizeitangebote; darum, daß nicht nur alle drei Stunden ein Bus in die nächste Stadt fährt. Konkret vermisse ich, daß man die "Freien Kräfte Schwalm-Eder" als kriminelle Vereinigung einstuft und auflöst. Die Gruppe müßte längst aufgelöst sein. In Berlin und anderswo hat es bereits Verbote "Freier Kameradschaften" gegeben. Das Maß ist voll. Wenn eine Organisation mit Gewalt auf Unterdrückung und Ausgrenzung abzielt, reicht das meiner Einschätzung nach, sie als kriminell einzustufen.
Auch Polizeibeamte wurden schon Opfer rechter Gewalt. Wird künftig weniger verharmlost?
Nein. Bei betroffenen Polizisten und ihren Kollegen herrscht zwar unheimliche Wut. Aber die Landesregierung sagt weiterhin: "Wir müssen gegen rechte und linke Gewalt härter vorgehen". Ich dokumentiere seit fünf Jahren Fälle rechter Gewalt. Von links hat es keine Gegengewalt gegeben, weil man auf rechtschaffenes Engagement gesetzt hat. Aber wie lange wird das noch so bleiben?
Wir haben eine Auswahl von Ereignissen der Vergangenheit in eine Karte des Schwalm-Eder-Kreises eingetragen.
Die Auswahl beschränkt sich dabei auf bekannt gewordene Übergriffe durch "freie" Rechte im Schwalm-Eder-Kreis.
Zuordnen könnt Ihr die Daten mithilfe unserer Datenbank "passiert notiert". Ergänzungen willkommen.
 
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letzte Aktualisierung: 11.11.09