12. Juni 2008
Pressemitteilung der Linksjugend [´solid] Schwalm-Eder
wiederholt Angriffe durch Neonazis
im Schwalm-Eder-Kreis
Am vergangenen Wochenende kam es erneut zu rechtsextremenen Übergriffen von Neonazis aus dem Umfeld der "Freien Kräfte Schwalm" gegenüber AntifaschistInnen im Schwalm-Eder-Kreis. Am Freitag Abend wurde während einer Abifete eine Antifaschistin von mehreren Neonazis herumgeschubst und beim Sturz auf den Asphalt verletzt. Mit leichten Verletzungen musste einen Tag später ein weiteres Opfer ins Krankenhaus.
Pressemitteilung der Linksjugend [´solid] Schwalm-Eder vom 12. Juni 2008:
Neonazis versetzen die Schwalm in Angst und Schrecken
AntifaschistInnen im Schwalm-Eder-Kreis angegriffen und zusammengeschlagen
Am vergangenen Wochenende kam es wiederholt zu rechtsextremenen Übergriffen von Neonazis aus dem Umfeld der “Freien Kräfte Schwalm(-Eder)” gegenüber AntifaschistInnen im Schwalm-Eder-Kreis. Am Freitagabend wurde während einer Abifete (Haaßehügel) eine Antifaschistin von mehreren - körperlich weitaus überlegeneren - Neonazis herumgeschubst und bei einem Sturz auf den Asphalt verletzt. Einen Tag später wurde ein Antifaschist von einer großen Gruppe Rechtsextremer angegriffen, weil er einer Freundin helfen wollte, die von diesen angepöbelt wurde und ihr Handy aus der Hand geschlagen bekam. Mit leichten Verletzungen kam der junge Mann ins Krankenhaus. Beide Opfer der feigen rechten Gewalt haben Anzeige erstattet.
Die "Freien Kräfte Schwalm" sind nicht erst seit vergangenem Wochenende aktiv. Bereits in den letzten Wochen und Monaten kam es immer wieder zu Drohungen und Verfolgungen von AntifaschistInnen durch die Neonazi-Bande. Zudem ist besonders der Schwälmer Raum übersäht mit Aufklebern der "Freien Kräfte" - kaum eine Laterne oder ein Straßenschild in Treysa ist nicht mit einem FK-Aufkleber beklebt. Auf ihrer Homepage versuchen die "Freien Kräfte" antifaschistisch engagierte Jugendliche zu diffarmieren und bezichtigen sie Taten wie des Beklebens des Grabes der Mutter eines jungen Neonazis. Auf dem Grabkreuz haben die Neonazis angeblich einen “update your city”-Aufkleber gefunden. Bekannt ist jedoch, dass dieser Aufkleber dem gleichen Neonazi vorher in den Briefkasten geworfen wurde (es war eine Art “Widmung” mit dem zweiten Vornamen eben diesen auf dem Aufkleber zu finden) - die Behauptungen der Neonazis sind also, so wie so vieles auf ihrer Seite nur reine Propaganda - und ohne wahren Hintergrund. Die Rechtsextremen haben den Aufkleber selbst auf das Grab geklebt, um antifaschistische Gruppen dieser Tat zu bezichtigen. Die gleiche Taktik - also das Verwenden “linker” Symbolik (wobei sich dies bei der Grab-Sache nur auf den Aufkleber bezieht - AntifaschistInnen sind keine Grabschänder!) um Rufmord zu betreiben - fand auch einen Tag vor einem Infostand der “Antifaschistischen Bildungsinitiative e.V.” in Treysa Anwendung. Hier sprühten die Neonazis durchgestrichene Hakenkreuze und “Scheiß Capitalisms” an die Fassade der Raiffeisenbank. Die Polizei bestätigte, dass auch sie davon ausgehe, dass diese Schmierereien von den Rechtsextremen gemacht wurden.
Die "Freien Kräfte", die zur Bewegung der “autonomen Nationalisten” gehören, also jungen Rechtsextremen, die sich fast ausschließlich linker Symbolik bedienen (Antifa-Symbol, “Black-Block”-Outfit, Sprachgestus etc.), sind eine nicht zu unterschätzende Gruppe, die primär im Schwalmstädter Raum aktiv ist. Hier wüten sie, wie dem Vorangegangen zu entnehmen ist, mit Hass und Gewalt. Dies beschränkt sich nicht nur auf AntifaschistInnen, auch Personen aus dem Umfeld konservativer Kreise oder “unpolitische” Personen, sind Ziele der rechtsextremen Anfeindungen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Personen ernsthafter verletzt werden - oder noch schlimmeres passiert.
Wir fordern hiermit alle Bürgerinnen und Bürger des Schwalm-Eder-Kreises, besonders die SchwalmstädterInnen dazu auf, sich öffentlich dazu zu bekennen, rechtsextremer Gewalt keinen Platz in unserer Gesellschaft zu lassen und die Schwalm nicht zu einer sog. “national befreiten Zone” werden zu lassen. Aus diesem Grund wird die Antifaschistische Bildungsinitiative zusammen mit [’solid]-SEK und vielen weiteren Gruppen und Verbänden demnächst ein breites Bündnis gegen Rechtsextremismus und faschistische Gewalt ins Leben rufen. Dieses Bündnis soll sich nicht nur auf “linke” Gruppen beschränken, sondern soll so breit wie möglich gefächert sein - der Schwalm-Eder-Kreis bleibt bunt!
Linksjugend [´solid] im Schwalm-Eder-Kreiswww.solid-sek.de.vu
"Wir wollen hier bleiben"- Jugendinitiative in hessischer Neonazi-Hochburgwww.netz-gegen-nazis.com
Maskierte Neonazis überfallen Jugendliche Nordhessennews vom 9. Juni 2008www.nh24.de
Netz gegen Naziswww.netz-gegen-nazis.com
"Wir wollen hier bleiben":
Jugendinitiative in hessischer Neonazi-Hochburg
Der nordhessische Schwalm-Eder-Kreis gilt als eine Hochburg der extremen Rechten in Hessen. Jetzt wehren sich wehren sich Schüler und Auszubildende mit einem neuen Verein gegen "Autonomen Nationalisten" und NPD.
von Joachim F. Tornau
"Hier", sagt Jeffrey Heindl. "Und hier. Und hier." Der 21-Jährige geht durch das Zentrum von Schwalmstadt und zeigt dabei auf einen Laternenpfahl nach dem nächsten. Die ganze Hauptstraße der nordhessischen Kleinstadt, erklärt der angehende Bademeister, werde regelmäßig zugepflastert mit Neonazi-Aufklebern. Und auch im Umland sehe es nicht besser aus: Der Schwalm-Eder-Kreis südlich von Kassel ist eine der Hochburgen rechtsextremer Aktivitäten in Hessen. Die Flut der bunten Aufkleber mit den braunen Parolen gehört da noch zum Harmloseren.
Drohungen per SMS, Angriffe bei der Dorfkirmes
Wer sich hier als nicht-rechter oder alternativer Jugendlicher versteht, wer Punkrock hört oder auch nur die extrem rechte Propaganda wieder von den Laternenmasten entfernen will, hat einen schweren Stand. Die örtlichen "Autonomen Nationalisten" der Kameradschaft "Freie Kräfte Schwalm-Eder" wissen, wer ihre Gegner sind - schließlich wohnt man auf dem Land Dorf an Dorf, wenn nicht Tür an Tür.
"Wir werden beim Einkaufen angepöbelt oder auf dem Weg ins Kino", erzählt ein 19-Jähriger, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will. Man finde Aufkleber an seiner Haustür oder bekomme Drohungen per SMS. Und wenn sich die Rechten auf einer Dorfkirmes Mut angetrunken hätten, würden sie auch zur Jagd auf ihre Widersacher blasen: vermummt und unverhohlen gewaltbereit. "Wenn ich abends durch die Stadt laufe, wechsele ich schon mal die Straßenseite", berichtet der Auszubildende. Selbst an einer Gesamtschule, die stolz den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" trägt, seien alternative Schüler mittlerweile in der Minderheit.
"Es reicht"
Die Jugendlichen wissen, dass etwas passieren muss, damit ihre Region nicht noch zur "No-Go-Area" für Alternative und Ausländer wird. "Es reicht!", haben sie ihr erstes Flugblatt überschrieben. Verteilt haben sie es im Namen der Antifaschistischen Bildungsinitiative e.V. (Antifa-BI). Der als gemeinnützig anerkannte Verein mit Sitz im mittelhessischen Friedberg, der sich im Untertitel "Die Demokraten" nennt, will der selbstbewussten rechtsextremen Szene vor allem mit Bildungsarbeit,Seminaren und Informationsveranstaltungen entgegenwirken. Dieses Konzept überzeugte auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Nordhessen: Im November vergangenen Jahres gründeten sie eine Ortsgruppe.
Mit Aufklärung, ohne Konfrontation
Eigentlich hätten sie zuerst eine klassische Antifa-Gruppe werden wollen, erzählt Jeffrey Heindl, der den Vizevorsitz des Vereins übernommen hat. Aber dann sei ihnen das zu konfrontativ, zu "vorurteilsbehaftet" erschienen. Und zu groß war ihre Sorge, bei der konservativen Landbevölkerung von vornherein auf taube Ohren zu stoßen. "Wir versuchen, die Region Schwalm - so stur wie die Leute hier auch sind - für das Thema zu interessieren", erklärt Fachoberschüler Leonhard Meiler. Er ist als 20-Jähriger noch einer der älteren Aktivisten des in doppeltem Sinne jungen Vereins. "Mit einem schlechten Ruf kannst du keine Leute gewinnen."
Doch genau das ist das Ziel: Aufmerksam machen auf die Umtriebe der Autonomen Nationalisten, Problembewusstsein wecken - und damit weitere Menschen überzeugen, sich für die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus einzusetzen. Dabei sind den Schülern und Auszubildenden das Alter und die politische Orientierung ihrer Mitstreiter nicht so wichtig wie ein deutliches Engagement. Noch in diesem Sommer will der Verein ein breites Bündnis gegen Neonazis in der Region schmieden. Eingeladen werden sollen dazu neben Kirchen und Gewerkschaften auch sämtliche demokratischen Parteien - von der Linken bis zur CDU.
Auf der Agenda stehen aber auch Veranstaltungen, die sich eher an Gleichaltrige richten: Ein Fußballturnier, bei dem der sportliche Wettstreit mit Informationen über die rechtsextreme Szene verknüpft werden soll, ist geplant. Ein großes Konzert gegen Rechts mit neun lokalen Bands ging bereits im Februar über die Bühne. "So voll war es in dem Club vorher schon lange nicht mehr", freuen sich die Organisatoren. Im kommenden Jahr soll es deshalb sogar ein zweitägiges Open-Air-Festival geben.
Kleine Erfolge
Solche Erfolge machen den Aktivisten der Ortsgruppe Mut. Und auch an ihrem Infostand, den sie schon zweimal im Zentrum von Schwalmstadt aufgebaut haben, bekommen sie gelegentlich ganz besonderen Zuspruch. Einmal, erinnert sich Heindl, sei eine 80-Jährige gekommen. "Die hat gesagt: ,Ich brauche keine Flyer, ich habe das damals alles miterlebt - macht weiter so!'"
Mühsam ist ihr Engagement dennoch, das merken die jungen Antifaschisten fast täglich. Etwa wenn sich ihre Nachbarn sofort über laute Punkmusik beschweren, ein ebenso lautes Abspielen von rassistischen Liedern der Neonazi-Band "Landser" jedoch tolerieren. Oder wenn sie sehen, dass Rechtsextreme in Dorfvereinen wie Kirmes-Burschenschaft oder Schützenverein ganz selbstverständlich Mitglied sind. Oder wenn sie bei allem, was sie tun, von den Neonazis der "Freien Kräfte Schwalm-Eder" beobachtet, bedroht, fotografiert werden. "Die fahren regelrecht Patrouille", sagt Heindl. Und sie seien so straff organisiert, dass sie meist binnen weniger Minuten eine größere Anzahl an Neonazis alarmieren könnten. Mehr jedenfalls als ihre Gegner - noch.
Im Kreistag sitzt auch das rechtsextreme Wahlbündnis
"Da liegt noch viel vor uns", machen sich die nordhessischen Aktivisten der Antifaschistischen Bildungsinitiative darum keine Illusionen. Zumal sich die rechtsextremen Strukturen im Schwalm-Eder-Kreis nicht auf die "Freien Kräfte" beschränken. In Schwarzenborn lebt der verurteilte Rechtsterrorist und Holocaust-Leugner Manfred Roeder, dessen Anwesen jungen und alten "Kameraden" als Treffpunkt dient. In Gilserberg residiert die Familie des US-amerikanischen Antisemiten Roy Armstrong-Godenau, deren Mitglieder in drei Generationen in der extremen Rechten aktiv sind. Bei der hessischen Kommunalwahl 2006 trugen sie maßgeblich dazu bei, dass sich Funktionäre von NPD und Republikanern mit Neonazis aus "Freien Kameradschaften" zu einer Wahlliste zusammenschlossen. Dieses rechtsextreme "Bürgerbündnis Pro Schwalm-Eder" erhielt zwar nur 1,6 Prozent der Stimmen, aber auch das reichte für einen Sitz im Kreistag.
Dennoch kommt es für die Jugendlichen nicht in Frage, die Region zu verlassen
"Wir wollen hier bleiben", sagen sie.
Nordhessennews vom 9. Juni 2008www.nh24.de
Maskierte Neonazis überfallen Jugendliche
Gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung vor Jugendclub
von Rainer Sander
Frielendorf. Gegen halb zwei am frühen Morgen des 8. Juni 2008 rollen 4 PKW aus Schwalmstadt durch den eher beschaulichen Ortsteil Todenhausen der Tourismusgemeinde Frielendorf. Dann geht alles sehr schnell. Eine Gruppe von schwarz gekleideten und maskierten Jugendlichen, so Augenzeugen, verteilt sich mit Apfelgroßen Steinen (laut Polizeibericht) in den Büschen rings um den Jugendclub des Dorfes, der um diese Zeit bereits geschlossen hat. Einige Todenhäuser Jugendliche bemerken die „Angereisten" auf dem Heimweg von einer Fete in der Dorfgaststätte und gehen zum Jugendclub. Als sie dort eintreffen, kommen die Angreifer aus allen Richtungen und beginnen sofort eine heftige Schlägerei.
Der Angriff der in der Szene bekannten Mitglieder einer Neonazi-Gruppe aus Neukirchen und Schwalmstadt galt, so vermuten Todenhäuser Jugendliche, ihrem Jugendclub, in dem die Angreifer andersdenkende Gegner bzw. Opfer vermuteten. Sie griffen nach Berichten von Augenzeugen zuerst ein Mädchen an. Die Jungs aus Todenhausen wollten sie verteidigen und versuchten gleichzeitig über Handys Freunde herbeizurufen. Dabei gingen alle Handys zu Bruch, eines wurde von den maskierten Neonazis gestohlen und die gespeicherten Nummern offensichtlich benutzt, um weitere Drohungen an andere Frielendorfer Jugendliche auszusprechen: „Einen haben wir jetzt, Dich kriegen wir auch noch!", so lautete eine SMS-Botschaft. Während der Schlägerei flogen Steine und wurden am Boden liegende Todenhäuser Jugendliche getreten.
Die Polizei, die kurz nach 2 Uhr in Todenhausen mit zwei Streifenwagen eintraf, hat nach erstatteter Strafanzeige ein Ermittlungsverfahren wegen Gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl und Sachbeschädigung eingeleitet. Pressesprecher Giesa von der Polizeidirektion Homberg bestätigte Nordhessennews, dass 3 Tatverdächtige namentlich bekannt sind und mutmaßlich der Gruppe „Freie Kräfte Schwalm-Eder", die sich im Internet unter www.fk-se.de präsentiert, angehören. Die Internetseite ist ohne Namensnennung und Anschrift (nur Postfach) im Impressum, aber mit eindeutigen Aussagen.
Zwei Jugendliche wurden im Krankenhaus mit Schürfwunden, Prellungen, ein Mädchen mit Verdacht auf Kapselriss behandelt. Die Augenzeugen berichteten gegenüber Nordhessennews, dass nach der Schlägerei die vier Autos, u.a. ein VW-Polo, vorfuhren, in die die "Schläger" sprangen und so schnell die Täter in Todenhausen einfielen, so schnell verließen sie den Ort wieder, offensichtlich gut organisiert und generalstabsmäßig geplant.
Nordhessennews hat einen der Steine vor dem Jugendclub fotografiert. Der Vergleich zu einem Handy zeigt, dass es in Todenhausen große Äpfel geben muss.
 
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letzte Aktualisierung: 06.07.08