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11.
November 2007
Eva
Herman liest in Hessisch Lichtenau
Autogrammstunde
für Neonazis
Die
RTL-Sendung Exklusiv meldete am Sonntag: "Eva Herman
ist wieder da" und berichtete von einer Lesung der Ex-Tagesschausprecherin
in Nordhessen. Dabei sah man gleich zu Beginn des Beitrags, wie
Frau Herman im Rahmen einer Autogrammstunde einem der aktivsten
nordhessischen Neonazis eine Widmung schreibt.
Im
Bürgerhaus in Hessisch Lichtenau hatte Eva Herman am Dienstag
eine Lesung veranstaltet. antimanifest hatte den Termin im Internet
frühzeitig entdeckt und auf unseren Seiten bekannt gegeben.
Eva Herman las aus ihrem Buch "Das Prinzip Arche Noah -
Warum wir die Familie retten müssen".
Auch
die Nordhessische
Neue Zeitung hatte am Montag mit einem Artikel auf den Auftritt
der umstrittenen Buchautorin hingewiesen. Organisiert wurde die
Veranstaltung vom Kulturamt der Stadt Hessisch Lichtenau. Die Veranstaltung
sei nicht als Unterstützung ihrer Thesen zu verstehen, sondern
man wolle damit dem großen Interesse an Hermans Thesen Rechnung
tragen. 280 der 400 Karten (9 € im Vorverkauf)
seien bereits verkauft, erklärte Monika Walenta-Müller
vom Kulturamt gegenüber der Nordhessischen Neuen Zeitung. Auf
die Frage, warum man nicht eine Diskussion mit Herman und einem
ihrer Kritiker organisiert habe, sagte Walenta-Müller: "Die
Kontroverse wird sich schon aus dem Kreis der Zuhörer bilden."

Eine
kontroverse Diskussion hatte sich in Hessisch Lichtenau dann aber
offensichtlich nicht entwickelt. RTL zeigte gleich zu Beginn des
Beitrags die Autogrammstunde, die Frau Herman im Anschluss an die
Veranstaltung auf der Bühne abhielt. Ein groß gewachsener
junger Mann in einer Zimmermannshose lässt sich da gerade eine
Widmung von Frau Herman schreiben. Kenner der nordhessischen Nazi-Szene
erkennen sofort: bei dem jungen Mann handelt es sich um Mike Sawallich,
Anmelder der geplatzten Nazi-Demo in Kassel am 20.10.2007.

Möglicherweise
hat niemand die offene Liebe des aktiven Neonazis zu Frau Herman
bemerkt. Auch Frau Herman hat womöglich nicht gewusst, wem
sie da ein Autogramm gab. Hier wird aber deutlich, wohin die Rechtfertigung
nationalsozialistischen Gedankenguts die ehemalige Moderatorin und
Tagesschausprecherin gebracht haben. Frau Herman betont immer wieder,
wie viel Zuspruch sie für ihre Thesen erhält. Frau Herman
sollte erkennen, woher diese Zustimmung kommt. Auf ihrer Internetseite
bekennt sich Frau Herman zu der Kampagne: "Laut gegen Rechts".
Dass Frau Herman sich bis heute nicht von ihren Äußerungen
zu bestimmten nationalsozialistischen Idealen distanziert, beschert
ihr zweifelhafte Sypathien.
Wir kennen ihre neuen Freunde!

Frau
Herman äußert sich in dem Beitrag auch
relativ sinnfrei zu ihrem Rauswurf beim Norddeutschen
Rundfunk:
Herman:
"Es
gibt ja immer Entscheidungen, die man zunächst
nicht verstehen kann, die überraschend kommen
- das würde Ihnen wahrscheinlich ganz genau so
gehen wenn Sie heute, aus irgendeinem Grunde, den
Sie selbst zunächst nicht nachvollziehen können,
Ihre Arbeit verlieren - aber es gibt sicher einen
Sinn dahinter und der wird sich mit der Zeit dann
zeigen."
RTL:
"Hat es mit Gott zu tun?"
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HNA
online vom 8. November 2007
Pionierin
oder Spinnerin?
Zwischen
gewagten Thesen und alten Hüten: Eva Herman im
Bürgerhaus
von
Kathrin Bretzler

Wo
war die Lesung? Diese Frage stellten sich nach spätestens
einer Stunde mit Eva Herman wohl viele der über
300 Gäste, die ins Lichtenauer Bürgerhaus
gekommen waren. Sie redete - und alle anderen hörten
zu. Auch Moderator Victor Hernandez, dem sie das
Ruder bereits nach fünf Minuten aus der Hand
nahm. Eva Herman, die gestern ihren 49. Geburtstag
feierte, degradierte den Frager zum Befragten und
schmiss dann ihre eigene Show. Und die sah eben
nur zwei Minuten Lesung aus dem Schlusswort ihres
neuen Buches "Das Prinzip Arche Noah"
vor - dafür aber viel Raum für gewagte
Thesen, Erläuterungen zum Kerner-Rauswurf und
ihre Vorstellungen von einer neuen Weiblichkeit.
Ehrlich
wirkte sie, als sie von ihrer Vergangenheit sprach.
Wie sie fast das Glück der Mutterschaft verpasste,
weil sie dem Zeitgeist der emanzipatorischen 60er-Jahre
folgte. "Für mich war es wichtig, Karriere
zu machen, Partnerschaft kam für mich an zweiter
Stelle. Heute habe ich drei Scheidungen hinter mir
und ein Kind. Ich wünschte, es wäre andersherum."
Ehrlich
war auch ihre direkte Art, Probleme anzusprechen.
Bekannte Probleme wie beruflicher Druck und die
Angst vor finanzieller Not, aus der heraus sich
viele Frauen heute gegen Kinder entscheiden. Oder
die Mütter zwingt, früh in den Job zurückzukehren
und ihre Kinder mit negativen Gefühlen früh
in Krippen zu geben. Sie kritisierte das wechselnde
Personal in den Tagesstätten und die oft schlechten
Qualitätsstandards. Ja, man konnte oft zustimmend
nicken, wenn Eva Herman sprach. Ein Umdenken in
unserer Gesellschaft, das die Familie stärken
und die Elternrolle mehr wertschätzen würde,
wäre gut.
Wäre
gut, wenn Eva Herman sich nicht auf dem Weg zu Lösungen
vergaloppiert. Zu oft bemühte sie klischeehafte
Vergleiche und belehrte ihre Zuhörer darüber,
was typisch männlich und typisch weiblich ist.
Zu oft waren ihre Theorien zu gewagt und widersprüchlich,
um nachvollziehbar zu sein.
Am
Ende klafften die Meinungen der Gäste weit
auseinander, das Spektrum reichte von "mutige
Pionierin" bis "engstirnige Spinnerin".
Aber die Schlange derer, die ein Autogramm haben
wollten, war trotzdem sehr, sehr lang.
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