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12.
Juni 2007
de.indymedia.org
/ Bündnis gegen Rechts Kassel
rechtsextreme
"Montagskundgebung"
in
Kassel gestört
Peter
Pawlak, Kassels Bürgern seit 2005 als ewiger "Montagsdemonstrant"
bekannt, tritt inzwischen offen mit den bekennenden Faschisten aus
NPD und den Schlägern ihrer Jugendorganisation JN auf. Auf
dem Königsplatz veranstalten sie montags ein Schauspiel aus
Politikverdrossenheit, Verklärung der Geschichte und Werbung
für die extreme Rechte. Nach kurzer Recherche durch AntifaschistInnen
kam es am Montag zu einer spontanen Kundgebung gegen das rechte
Treiben.

Neben
einigen anderen Versuchen rechter Gruppen, in Kassel Fuß zu
fassen, versucht es ein älterer Herr namens Peter Pawlak aus
dem Schwalm-Eder-Kreis mit seinen "Montagskundgebungen".
Seit einigen Wochen gibt es einen Schulterschluss der "Montagskundgebung
Kassel basisdemokratisch", die wöchentlich eine Kundgebung
auf dem Königsplatz abhält, mit Jungkadern der NPD. Stadtweit
bekannte Nazigrößen wie Mike Sawallich (Stellvertretender
Vorsitzender der Jungen Nationaldemokraten Hessen, der Jugendorganisation
der NPD) erschließen sich über die Aktivitäten rechtspopulistischer
Einzelkämpfer eine Plattform, um ihre ausländerfeindliche
und antisemitische Hetze zu verbreiten. Peter
Pawlak wurde als Montagsdemonstrant bekannt, war Mitglied der zunächst
als Verein gegründeten Wahlalternative für Arbeit und
Soziale Gerechtigkeit WASG und errang bei den Kommunalwahlen im
Frühjahr 2006 über die Liste der Linkspartei einen Sitz
im Kreistag des Schwalm-Eder-Kreises. Pawlak gab seine parlamentarische
Mitbestimmung jedoch bald auf.

Auf
dem Infotisch der "Montagskundgebung Kassel basisdemokratisch"
fand sich schon ohne offene Beteiligung der JN beispielsweise die
rechtsextreme Zeitung "Unabhängige Nachrichten".
Die seit 1969 von Altnazis herausgegebene Monatszeitung, für
die bekannte Neonazis wie Manfred Roeder oder Frank Rennicke schreiben,
wird seit einigen Jahren auch von jüngeren Aktivisten der NPD
und der militanten Neonaziszene angeführt. Die "Unabhängige
Nachrichten" befassen sich schwerpunktmäßig mit
Artikeln, welche die Kriegsschuld Deutschlands leugnen, die Verunglimpfung
der freiheitlichen demokratischen Grundordnung beinhalten und die
angeblich fortdauernde "Umerziehung" der Deutschen durch
die alliierten Siegermächte anprangern. Weitere Standardthemen
sind die Relativierung der deutschen Kriegsverbrechen sowie die
"multikulturelle Gesellschaft" oder die "Überfremdung".

Der
Offene Kanal Kassel sendete vor Monaten ein ausführliches Studio-Gespräch
mit Pawlak. Wer sich die Mühe machte, dem erwerbslosen Kraftfahrer
zuzuhören, erkannte schnell, dass sein Ausflug zur Linkspartei
nicht gut gehen konnte. Die Weltanschauung, die der gewählte
Kommunalpolitiker im Offenen Kanal ausführlich schildern durfte,
zeigte vielmehr einen deutlichen Hang zum Rechtsextremismus. Die
schlichte Argumentation: Das Grundgesetz sei keine Verfassung, Deutschland
sei noch immer im Krieg mit den Alliierten, "die Russen"
seien Schuld am 2. Weltkrieg und last but not least: Die BRD existiere
eigentlich nicht. Folgerichtig lebten wir alle noch im Deutschen
Reich...
Seine Ausdrucksweise ist oft schroff bis beleidigend, das mussten
bereits harmlose Passanten spüren. Bei den Protesten gegen
Studiengebühren im Sommer 2006 schwenkte Pawlak noch eine abgegriffene
DDR-Flagge und rief laut die Revolution aus.
Pawlak,
Opfer der systematischen Verarmung durch HartzIV, ist kein Ideologe.
Im direkten Gespräch wird schnell klar, dass der ältere
Herr kaum über rhetorisches Talent verfügt. Ihm ist einfach
jedes Mittel und jede Ideologie recht, seiner Wut und seiner Enttäuschung
Ausdruck zu verleihen. Er steht damit beispielhaft für das
Potential an enttäuschten und betrogenen Arbeitnehmern, welche
das System ewig steigender Profite ausgesondert hat und derer sich
die Faschisten mit Vorliebe bedienen.

Bei der regelmäßigen Kundgebung auf dem Königsplatz
werden Lieder der so genannten "Schulhof-CD" der NPD abgespielt,
die offen völkische und rechtsextreme Inhalte verbreiten. Natürlich
behaupten Pawlak und die neuen Freunde u.a. auf Transparenten, sie
seien "weder rechts noch links, sondern Deutsche".
Wilhelm II., letzter deutscher Kaiser und Kriegstreiber, nannte
es so: "Ich kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch
Deutsche!" Das war anläßlich der Kriegserklärung
gegen Serbien 1914 und damit der Auslöser des 1. Weltkrieges.

Peter
Pawlak beteiligte sich einige Zeit auch bei der "offiziellen"
Montagsdemonstration in Kassel, bis er dort rausflog. An seinem
Stand verteilt er nun u.a. aktuelle Ausgaben der rechtsextremen
"Unabhängigen Nachrichten". Doch als wenn das ihm
und der Handvoll regelmäßiger MitstreiterInnen als Outing
nicht reichen würde und die PassantInnen ihn nicht sowieso
schon häufig auslachen würden, sekundiert ihm auch noch
seit einiger Zeit der stellvertretende JN-Vorsitzende Hessens, Mike
Sawallich.

Auch
wenn nach dem bisherigen Verlauf der "Montagskundgebungen"
nicht davon ausgegangen werden kann, dass sich PassantInnen zugunsten
des rechten Spukes beeinflussen liessen (in der Regel sind Ignoranz
und Gelächter zu beobachten), so kann dieser Zustand rechter
Dauerpräsenz nicht länger hingenommen werden. Deshalb
entschlossen sich kurzerhand etwa 40 Menschen, das Treiben von Pawlak
und Sawallich zu stören und die PassantInnen darüber zu
informieren, welche Clowns da ihr Unwesen treiben. Einige hundert
schnell erstellter Flugblätter wurden verteilt, sowie mehrere
Redebeiträge gehalten. Die Sicht auf den rechten Stand wurde
durch Transparente versperrt. Zu den etwa sechs älteren Damen
und Herren gesellte sich nach einiger Zeit auch wieder Mike Sawallich,
verschwand aber dann wieder für eine Stunde, um sich dann nach
Erscheinen der Polizei erneut zu zeigen.

Die
von der Aktion sichtlich überraschte Polizei erschien erst
nach mehr als 30 Minuten und hielt sich größtenteils
zurück, um dann nach einer Stunde jedoch die AntifaschistInnen
wie gewohnt "höflich" zum Gehen aufzufordern. Da
aber nach kurzer Zeit die "offizielle" Montagsdemonstration
vorbeikam, demonstrierten dann schon etwa 100 Menschen gegen die
anwesenden Nazis. Etwa 20 auf dem Königsplatz, dem Ort des
Geschehens, anwesende Jugendliche solidarisierten sich darüber
hinaus mit der antifaschistischen Kundgebung und demonstrierten
mit einem Transparent des DGB "Für Solidarität
statt Rassismus".
der
Artikel wurde von uns ergänzt
Nordhessische
Neue Zeitung
Rechtsextreme
Montagsdemo von Nazi-Gegnern gestört
Kassel
- Rund 40 Menschen haben gegen eine regelmäßig
stattfindende rechtsradikale Montagsdemo in der Kasseler
Innenstadt demonstriert. Ein ausführlicher Bericht
mit Hintergrundinfos kann auf dem alternativen Medienportal
indymedia
nachgelesen werden.
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