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14.
November 2008
Kundgebung
und Prozess
Deutschland
totalverweigern!
Am
18. Dezember 2008 wird Jonas wegen "eigenmächtigem Fernbleiben
vom Dienst" in Gießen vor Gericht stehen. Die Linksjugend
['solid] in Gießen ruft für den 17. Dezember zu einer
Solidaritätskundgebung für Jonas auf. Der Entschluss,
dem Kriegsdienst eine klare Absage zu erteilen, ist nichts weiter
als eine konsequente Haltung gegenüber imperialistischer Kriege,
dem Kredo der Militarisierung und gegenüber staatlicher Bevormundung.
Aufruf
der ['solid] Basisgruppe in Gießen
Der
Gleichberechtigungsartikel und die Wehrpflicht
Die
Wehrpflicht ist ein männerspezifischer Zwangsdienst und steht
als solcher für den Mann als starkes Geschlecht, als Beschützer
und Versorger aber vor allem für den Mann als gewaltbereites
und vaterlandstreues Wesen. Ein geschlechterspezifischer Zwangsdienst
ist nichts weniger als eine in der Verfassung verankerte sexistische
Struktur, die der Aufhebung von Geschlechterrollen entgegensteht.
Der moderne Mann fühlt sich nicht primär als Versorger
und als Verfechter des Vaterlandes, sondern er engagiert sich in
der Erziehung und bemüht sich darum, Gleichberechtigung zu
leben, auch wenn er sich nicht immer den gesellschaftlichen Erwartungen
entziehen kann.
Das
Verfassungsgericht und der europäische Gerichtshof
Das
Verfassungsgericht hat hervorgehoben, dass der Gleichberechtigungsartikel
(3) und Artikel 12a (Wehrpflicht) gleichwertig sind. Sie sind beide
Teil der Verfassung und beanspruchen daher beide Gültigkeit.
Diese
Ausführung ist lächerlich, und zeugt von der Feigheit
und der politischen Couleur der Verfassungsrichterinnen und Verfassungsrichter.
Es gilt hier zu beachten, dass die Wehrpflicht erst nachträglich
hinzugefügt wurde. Folgt man dann der Logik der Richterinnen
und Richter, so ist es möglich das Grundgesetz mit sich selbst
in Widerspruch zu versetzen, insofern dies politisch gewollt ist
und die entsprechenden Mehrheiten dafür vorhanden sind.
Der
europäische Gerichtshof hat Frauen den Beruf der Soldatin aus
Gründen der Gleichberechtigung zugänglich gemacht. Auch
hat er zum Beispiel wiederholt unverheirateten Männern Sorgerecht
zugesprochen. Europa scheint in Fragen der Gleichberechtigung modern
zu sein. Die Wehrpflicht fällt jedoch unter den Bereich Verteidigung.
Für diesen Bereich sind die einzelnen Mitgliedsstaaten selbst
verantwortlich und der europäische Gerichtshof erklärt
sich für nicht zuständig.
Fazit
Die
Wehrpflicht steht sowohl dem pazifistischen Grundgedanken, der Gleichberechtigung
sowie der Abkehr vom Denken und Leben in nationalen sowie geschlechterspezifischen
Kategorien entgegen.
Hintergrund

Die
Bundeswehr hat sich spätestens seit der Gründung der Kommando
Spezial Kräfte (KSK) 1996 zur Angriffsarmee entwickelt. Diese
hatte ihren ersten Einsatz 1998 in Bosnien und ist seit dem Beitritt
Deutschlands zur Operation Enduring Freedom (OEF) 2002 weltweit
an Angriffskriegen beteiligt. Der Ex-Brigadegeneral Rheinhard Günzel
versteht die KSK als eine Eingreiftruppe in der Tradition der Wehrmacht,
und so agieren die BundeswehrsoladatInnen auch, sei es beim Schänden
von Leichen oder beim Tragen von Wehrmachtsabzeichen. Dieses Verhalten
der Soldaten ist nicht nur Resultat einer menschenverachtenden Militärdoktrin,
es macht auch deutlich, dass der Großteil der Bundeswehrrekruten
unter psychischen Schäden leidet. Die Bundeswehr hat starke
Nachwuchs-probleme, weil den Menschen bewusst wird, was für
eine Gefahr die Armee für den Frieden darstellt. Besonders
die NATO wird von der Bevölkerung zunehmend als Gefahr wahrgenommen,
nicht zuletzt, weil sie auf ihrem Gipfeltreffen letzten Jahres in
Bukarest den Atomaren Erstschlag in ihre Doktrin aufgenommen hat.
Damit zieht sie in Erwägung, Länder von denen eine vermeintliche
Bedrohung ausgeht, direkt mit Atomwaffen anzugreifen. Ob im Kosovo
oder im Norden von Afghanistan oder in Zukunft wohl auch vor der
Küste Somalias gegen Piraten, überall ist die Bundeswehr
in Kriegsgefechte verwickelt, wie es die zahlreichen Berichte zurückkehrender
SoldatInnen belegen.

Aufgrund
des Rückgangs an potentiellen SoldatInnen in den letzten Jahren
betreibt die Bundeswehr daher intensive Rekrutierungsmaßnahmen
an Schulen, Jobcentern sowie auf Berufs- und Bildungsmessen. Bundesweit
wurden 2008 an über 2.000 Schulen Infoveranstaltungen durch
Streitkräfte der Bundeswehr durchgeführt. Alleine auf
diese Art wurden in Hessen 2007 und 2008 über 7.000 SchülerInnen
gezwungen im Rahmen der Schulzeit daran teilzunehmen. Auf diese
Art wird versucht, die Gesellschaft für Militäreinsätze
im Inneren zu sensibilisieren. Wir empfinden diese Präsenz
der Bundeswehr an Öffentlichen Einrichtungen als unerträgliche
Provokation, die wir auch in Zukunft unterbinden oder zumindest
erfolgreich stören wollen. Es ist uns sehr wichtig deutlich
zu machen, wie wichtig es ist, dass es Menschen gibt, die sich gegen
diese Staatlichen Herrschaftsstrukturen und den militaristischen
Normalzustand in den Weg stellen und den Kriegsdienst totalverweigern.
Der
Staatliche Zwangsdienst (Wehrpflicht)

Die
Wehrpflicht besteht in Deutschland seit 1956 und kann durch den
Bundestag jederzeit mit einfacher Mehrheit abgeschafft werden, ohne
dass eine Verfassungsänderung benötigt wird. Es ist nicht
hinnehmbar, dass ein Staat einen Menschen aufgrund von Geschlecht
und Staatsangehörigkeit zu einen Zwangsdienst heranzieht, ihn
zwingt sich einer Musterung zu unterziehen und sich schließlich
als funktionierendes Endproduktt voll in Diensten von Kapital (Zivis
als billige Arbeitskräfte) und Nation stellen zu müssen.
Dadurch wird versucht aus allen jungen Männern ein Einheitsbrei
zu machen, und jede Individualität zu untergraben. Zudem verstößt
die Wehrpflicht gegen Art.4 der Europäischen Menschenrechtskonvention,
da es sich um Arbeitszwang handelt. Die Aufrechterhaltung der Wehrpflicht
dient lediglich dazu ein großes Kontingent zu stellen, damit
die Bundeswehr sich auch in Zukunft an Kriegen beteiligen kann,
die letztendlich auf das Interesse von Großmächten an
Ausbeutung und Ausgrenzung zurückzuführen sind. Die Abschaffung
der Wehrpflicht und der notwendige Ausstieg Deutschlands aus der
Nato sind allerdings auf Dauer keine Lösung. Wir fordern die
Abschaffung des Militärs weltweit, da dieses Grundlage für
Mord und Unterdrückung ist und nicht vor dem selbigen zu schützen
vermag, wie es dessen VerfechterInnen behaupten.

Der
"Zivil"-dienst

Der
Zivildienst wird gerne als friedlicher Ersatzdienst beschrieben,
ist jedoch nichts anderes als ziviler Kriegsdienst. Dies wurde nach
einer Klage 2006 vom Bundesgerichtshof erneut bestätigt. Im
Kriegsfall oder in Spannungszeiten sind die Aufgaben der ehemaligen
Zivis unter anderem die "zivile Verteidigung". Der Zivildienst
ist somit Bestandteil des Kriegsapparates, und stellt keine friedliche
Alternative da. Viele vermeintliche Kriegsdienst-verweigerer werden
so ruhig gestellt. Die Zivildienstleistenden sind gerade für
privatisierte Unternehmen im Gesundheitswesen attraktiv und behindern
nicht nur eine ausreichende Versorgung der PatientInnen sondern
auch die Abschaffung der Wehrpflicht. Es ist unbekannt, wie viele
Menschen jedes Jahr totalverweigern. Diesbezüglich wird beim
statistischen Bundesamt keine Statistik geführt. Es sind wohl
mehr als wir vermuten. Mit dem Zurückhalten von verlässlichen
Zahlen soll der Entstehung einer Bewegung entgegen-gewirkt werden.
Es wird der Schein erzeugt, dass sich jeder diesem System unterwirft,
Aufmüpfige werden als Staatsfeinde betrachtet. Wir sind froh,
dass sich Jonas diesem System nicht beugt und rufen dazu auf, ihn
bei seinem Prozess solidarisch zu begleiten und auch mit dem Urteil
offensiv umzugehen!
Kundgebung:
Mittwoch,
17. Dezember 2008, 17.00 Uhr
Treffpunkt: vor dem
Uni-Hauptgebäude (Ludwigstraße)
Prozess:
Donnerstag,
18. Dezember 2008, 09.00 Uhr
Treffpunkt: Amtsgericht
Gießen (Gutfleischstraße)
Lasst
uns dafür sorgen, dass die Wehrpflicht bald der Vergangenheit
angehört!
V.i.S.d.P.:
Linksjugend ['solid] Basisgruppe Gießen, c/o Jonas Ahlgrimm,
Wilhelmstraße 7, 35418 Buseck
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