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19.
August 2008
1938
- 2008, 70 Jahre Flugplatz Fritzlar
Waffenschau
in Fritzlar
Am
Sonntag lud der Bundeswehr-Standort in Fritzlar anlässlich
seines 70-jährigen Bestehens zum Tag der offenen Tür.
Die Präsentation der neuesten Waffensysteme lockte rund 30.000
Menschen auf das Gelände der Georg-Friedrich-Kaserne. Das "Kampfhubschrauberregiment
36" zeigte den neuen "Tiger",
was als Hauptattraktion galt. Ungetrübte Begeisterung und satte
Zufriedenheit
bei
Erbsensuppe und gespieltem Krieg.
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Leute
geht zur Bundeswehr
Da
kriegt ihr ein Schießgewehr
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Mike
Krüger, 1982
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Die
Tore der Georg-Friedrich-Kaserne mit dem Militärflugplatz in
Fritzlar bleiben der Öffentlichkeit sonst verschlossen. Die
umfangreichen Investitionen und die sichtbare Aufwertung des Standortes
blieb der Bevölkerung aber nicht verborgen. Insbesondere Gerüchte
um das Eintreffen der ersten neuen Kampfhubschrauber machten zuletzt
die Runde unter zivilen Angestellten des Stützpunktes, Angehörigen
und sonstigen Interessierten. Am Sonntag war dann endlich Gelegenheit
für Jedermann, sich von der Kampfkraft der Truppe zu überzeugen
und die eigene Nase in alle Cockpits zu stecken. Der Hessische Rundfunk
schätzte die Besucherzahl auf rund 30.000. An den Fahrzeugkennzeichen
der in langen Staus anreisenden Besucher war zu erkennen, dass sich
auch Familien aus entfernten Teilen der Republik auf den Weg nach
Fritzlar gemacht hatten.

"Boxt
denn der Henry Maske heute auch hier?!", hörte man
einen Besucher beim Gang zum Flugfeld scherzen. Große Lautsprecher
waren im Bereich vor den großen Hallen aufgebaut und durch
die dröhnte bei unserem Eintreffen der Song "Eye of the
Tiger" (Survivor,
1982). Das Lied ist seit den "Rocky"-Filmen nicht nur
beliebt bei Boxern, sondern dient der Bundeswehr offenbar auch als
Werbesong für die neue Kampfmaschine. Auch die Flugvorführungen
des "Tiger" wurden von dem Song begleitet und so wurde
die Begeisterung für den "besten Kampfhubschrauber der
Welt" regelrecht inszeniert.
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Bis
zu 30 Exemplare des neuen Kampfhubschraubers sollen einmal
in Fritzlar stationiert sein. Die Begeisterung für
den derzeit offenbar tödlichsten Hubschrauber der Welt
erreichte ihren Gipfel, als ein zweiter "Tiger"
sich im Rahmen der Flugschau den Massen zeigte.
(Foto:
Steiph, 17.08.2008)
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Neben
der Bundeswehr mit ihren Truppenteilen Heer, Marine und Luftwaffe
präsentierten sich auf dem Gelände auch die örtliche
Feuerwehr und Rettungsdienste, Modellbauer, Tourismusverbände
und Waffenhersteller. Kostenlose bunte Blätter verteilte beispielsweise
die "MDBA Missile Systems / LFK-Lenkflugkörpersysteme
GmbH". Der interessierte Besucher erfährt auf den Seiten
u. a., dass sich die Lenkflugkörper der neuesten Generation
bei einer Reichweite von 10.000 Metern durch "Maximierte Treffergenauigkeit
und Wirkung im Ziel" auszeichnen. Mögliche Ziele des "Fire-and-Forget"-Flugkörpers
sind laut Broschüre auch Kommandostände und Infrastrukturziele.
Der neue Kampfhubschrauber trägt solche Waffen.
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Altes
und neues Flugerät wurden auch im Flug vorgeführt.
Mit der kleinen BO105 und dem neuen "Tiger" wurden
auch extreme Flugmanöver unweit der Zuschauer demonstriert.
(Foto:
Steiph, 17.08.2008)
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Für
großes Interesse bei Angehörigen und Ehemaligen der Truppe
sowie bei den Fritzlarern sorgte ein Buch über die Geschichte
des Flugplatzes und der dort stationierten Flieger. Zum Jubiläum
fertiggestellt gibt die Dokumentation mit Erinnerungen von Zeitzeugen
und vielen Fotos Einblick in die Geschichte des Flugplatzes und
seiner Soldaten. Das ausführliche Referat über Aufstellung,
Verlegung und Umstrukturierung von Truppenteilen lässt jede
Sensibilität im Umgang mit nationalsozialistischem Rüstungswahn
vermissen. Das Buch wurde am Sonntag für 5,- Euro in großer
Stückzahl heraus gegeben. Wir zeigen an dieser Stelle einen
Ausschnitt aus dem Vorwort des Kommandeurs ohne weiteren Kommentar:
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Vorwort
des Herausgebers
Kommandeur
Kampfhubschrauberregiment 36, Oberst Lothar Kraß
Der
Zeitpunkt für die Veröffentlichung einer Dokumentation
zur 70-jährigen Geschichte des Militärflugplatzes
in Fritzlar hätte nicht besser gewählt werden
können.
Nicht
nur der ursächliche Anlass des 70-jährigen Bestehens
als solcher, sondern auch das in 2007 erreichte 50-jährige
Jubiläum der Fritzlarer Heeresfliegertruppe verdienen
der Aufarbeitung und Würdigung. Zudem zeigt das Werk
in einer Phase der grundlegenden Neuausrichtung der Fritzlarer
Heeresflieger, die zukünftig im Rahmen der internationalen
Verpflichtungen Deutschlands gemeinsam mit anderen Truppenteilen
weltweit eingesetzt werden können, die Entwicklungsgeschichte
einer nunmehr abgeschlossenen Ära auf, die seit Aufstellung
der Bundeswehr die eigene Landesverteidigung zum Schwerpunkt
hatte. (...)
Quelle:
70
Jahre Flugplatz Fritzlar 1938 - 2008, vom Kampfgeschwader
54 zum Kampfhubschrauberregiment 36
eine
Dokumentation von Oberstleutnant a. D. Jürgen Preuß
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Das
Heer präsentierte den "Infanterist der Zukunft"
mit umfangreicher Ausrüstung. Dabei wurden auch verschiedene
automatische Gewehre und Handfeuerwaffen ausgestellt, selbstverständlich
unter Aufsicht und mit einem Schild Bitte nicht berühren
versehen.
(Foto:
Steiph, 17.08.2008)
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Die
Geschichte des Flugplatzes, so ist ausführlich auch dem o.
g. Buch zu entnehmen, begann mit dem Gesetz über den Aufbau
der Wehrmacht vom 16. März 1935, in dem Adolf Hitler seinem
Luftfahrtminister, Hermann Göring, befahl, unter Missachtung
des Versailler Vertrages von 1919, aus Teilen der damaligen Reichswehr
eine Luftstreitkraft für das neue nationalsozialistische Deutschland
aufzubauen. Die Luftwaffe wurde neben Heer und Kriegsmarine als
Teil der Wehrmacht aufgestellt. Es ergab sich nun ein dringender
Bedarf an Flugplätzen und so wurde auch auf den Ederniederungen
vor Fritzlar ein Platz aufgebaut. Fritzlar war seit 1802 Garnisonsstadt
und Standort von Artillerieverbänden.
Am
17. September 1937 wurde auf dem neuen Flugplatz Richtfest gefeiert.
Ohne nun weiter auf die Aufstellung von Truppenteilen einzugehen,
soll hier noch erwähnt werden, dass ab 1939 das "Kampfgeschwader
54" in Fritzlar stationiert war. Es trug den Beinamen "Totenkopfgeschwader".
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Lange
Schlangen bildeten sich auch am "Tornado". Um
Besuchern den Einstieg in den Kampfbomber zu ermöglichen,
gibt es offenbar einen familiengerechten Treppenaufgang.
(Foto:
Steiph, 17.08.2008)
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Die
Ideologie des Krieges lebt also fort, ja sie wird auch aus deutscher
Sicht wieder international und hat sich dafür bereits gerüstet.
Ein äußerst fragwürdiges Jubiläum, totale Identifikation
mit der Truppe und Kinder, die für Kriegsgerät begeistert
werden - Gute Nacht...
Nie
wieder Deutschland!
Stephan
Siebrecht, antimanifest

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Im
Auge des Tigers
Zehntausende
beim Tag der offenen Tür in der Fritzlarer Georg-Friedrich-Kaserne
von
Markus Berger
Fritzlar.
Hundertschaften strömten nach hier, Tausende nach da.
Beim Tag der offenen Tür des Kampfhubschrauberregiments
36 trat man sich sprichwörtlich auf die Füße.
Auf dem Gelände der Georg-Friedrich-Kaserne in Fritzlar
drängten sich gestern Zehntausende von Menschen dicht
zusammen. Sie alle wollten nur eins: einen Blick ins Innenleben
des Militärs erhaschen. Auch wir stürzten uns
ins Getümmel und hielten ein paar Momentaufnahmen fest.
So
mussten sich die Besucher, um eine Bratwurst zu ergattern,
in Warteschlangen von vielen Metern einreihen. "Ich
warte schon seit zwei Stunden", sagte Martin Weber,
der mit seiner Familie extra aus Dortmund angereist war.
Hoffentlich hat er sein gebratenes Stück Fleisch bis
zum Ende der Veranstaltung bekommen.
Andernorts
ehrfürchtige Blicke gen Himmel. Sphärische Musik
dröhnte aus riesigen Boxentürmen. Eine BO 105
erhob sich majestätisch, um nach wenigen Sekunden mit
geradezu halsbrecherischer Akrobatik Eindruck zu schinden.
Der Tiger flatterte nervös zum Hit "Eye of the
Tiger". Wen kümmert da die Wurst von vorhin. Pirouetten,
Loopings und eine ratternde Maschine im Sturzflug - Bilder,
die von Kunstfliegern sehr wohl bekannt sind. Mit Hubschraubern
ist so etwas nur höchst selten zu sehen.
Einmal
quer übern Platz gehuscht, fiel der Blick auf einen
Vater. Der hatte sich, um möglichst gute Fotos zu machen,
eine perfekte Position ausgesucht: Innerhalb weniger Sekunden
war die Tochter aus dem Kinderwagen gehoben und dieser als
Podest zweckentfremdet worden. Von dort aus ließ sich
der Tornado besonders gut ablichten.
Besonders
auffällig: Im Minutentakt hallten Appelle und Durchsagen
über das Gelände. Die meisten richteten sich an
Eltern, die ihre Kinder in der Besucherflut verloren hatten.
"Der kleine Michael möchte im Zelt der Malteser
abgeholt werden! Lisa wartet auf ihre Mama - im Zelt der
Malteser!" Fragt sich nur, wie die Jüngsten
immer zur Auffangstation der Hilfsorganisation gelangt waren.
Sekunden
später eine weitere Mahnung der allgegenwärtigen
Stimme: "Wenn der Fahrer des grünen Corsa nicht
eiligst sein Auto aus der gesperrten Zone entfernt, dann
muss er heute wohl nach Hause laufen."
Etwas
zu eilig hatte es eine Mutter, die ihrem Sohn die wuchtigen
Panzer zeigen wollte. "Schau mal, Kevin",
rief sie, zeigte auf das Kampfgefährt, versah sich
nur für einen Augenblick - und stolperte über
ihren Filius höchstselbst. Der freute sich mehr über
Mamas unfreiwilligen Spagat, als über den Anblick des
Kampffahrzeugs.
Selber
Ort, selbe Zeit: Hunderte Zeigefinger ragten urplötzlich
in die Höhe. Hunderte von Blicken folgten den Fingern.
Der Grund: Einige Fallschirmspringer demonstrierten hautnah,
wie es aussieht, wenn Menschen wie Federn durch die Luft
gleiten. Mal sanft kreisend, dann wieder scheinbar strauchelnd.
Nach wenigen Minuten jedoch ließ das Interesse an
den Erdstürmern merklich nach. Die Leute widmeten sich
wieder den bodennahen Attraktionen.
So
eine war zum Beispiel der Stand für Militärbekleidung.
Da gab's nämlich Fliegerjacken in Kindergrößen.
Und die waren ein echter Hingucker. So wie alles, was an
diesem Tag bei der Bundeswehr geboten wurde: immer eine
Nummer größer, als im Tagesgeschäft.
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