23. April 2006
Waldorfpädagogik
Waldorfschulen - die Lehren des Rudolf Steiner
In der ZDF-Sendung Frontal21 vom 18.04.2006 nahm der Journalist Rainer Fromm die Lehren der Waldorfschulen ins Visier. Waldorfschulen sind Schulen in freier Trägerschaft, an denen nach der von Rudolf Steiner begründeten Waldorfpädagogik unterrichtet wird. Rudolf Steiner habe uns, wenn man genauer hinschaue, auch übles Gedankengut hinterlassen. Judenfeindlich und rassistisch.
Die Waldorfpädagogik ist eine der bekanntesten praktischen Anwendungen der ebenfalls von Rudolf Steiner begründeten Anthroposophie. Vielen Waldorfschulen ist ein Waldorfkindergarten angegliedert. Nach Angaben aus dem Jahr 2006 existieren in Deutschland 193 Waldorfschulen, in ganz Europa 643 und weltweit 903. Bekannt sind sie auch unter den Bezeichnungen Rudolf-Steiner-Schule, englisch Waldorf School, Steiner School, französisch École Waldorf, niederländisch Vrijeschool.
In seinem Beitrag "Von Ariern und primitiven Rassen - Steiners Lehren und die Waldorfschulen" in der ZDF-Sendung Frontal21 vom 18. April 2006 hinterfragte der Journalist Rainer Fromm die Lehren des Rudolf Steiner und konfrontierte den Bund der Freien Waldorfschulen mit dem Vorwurf, jungen Menschen Rassismus und Antisemitismus zu vermitteln.
Der Rassegedanke gehe auf die Lehren Steiners zurück. In seinen Büchern würden zum Beispiel Indianer als "dekadente Abzweigung" in der Entwicklung der Menschheit dargestellt. Dieses Gedankengut greifen Publikationen auf, die Waldorflehrern zur Unterrichtsgestaltung empfohlen werden, berichtet der Journalist.
An den knapp 200 deutschen Waldorfschulen wird immer noch auf der Grundlage der Lehren Rudolf Steiners ausgebildet. Steiner ist der Begründer der Anthroposophie, einer Lehre, nach der der Mensch höhere seelische Fähigkeiten und dadurch übersinnliche Erkenntnisse erlangen kann. Aber Steiner unterscheidet: Schwarze werden als triebhaft und entartet beschrieben, Weiße als kopfgesteuert. In einem Steiner-Werk heißt es:
 
Zitat:
"Beim Neger ist daher das Hinterhirn besonders ausgebildet."
"Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben."
"Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse."
"Wir Europäer stehen allem messend, beurteilend gegenüber und sind darum fähig, alles nüchtern als Dinge zu werten und unseren Zwecken dienstbar zu machen. Für den Neger gibt es diese Trennung zwischen Ich und der Welt nicht; ..."
 
Sollten diese kompromisslos rassistischen Lehren wirklich Grundlage des Unterrichts, der Ausbildung von Lehrkräften oder Inhalt von Lehrmitteln sein, wie Fromm den Waldorfschulen vorwirft, dann sind die Waldorfschulen aufgefordert, sich umgehend und vollständig von der esoterisch-rassistischen Ideologie Steiners zu verabschieden. Diese Rassenlehre an Schulen wäre ein Skandal. Es ist fraglich, ob der Bund der Freien Waldorfschulen sich mit einem angekündigten Gutachten über "Rudolf Steiner als aktiver Gegner des Antisemitismus und Rassismus" aus der Affäre ziehen kann.
In der Fernsehsendung wird ein ehemaliger Waldorflehrer interviewt. Markus Beauchamp hat bis vor vier Jahren erfolgreich ein Waldorf-Ausbildungsseminar für angehende Lehrer besucht. Danach wollte er nicht mehr für Waldorf-Schulen tätig sein. Beauchamp erinnert sich: "Das war im Fach Geographie, und da haben wir uns unter anderem mit den Indianern beschäftigt. Und die wurden ganz kurz abgehandelt, indem gesagt wurde, die Indianer sind eine absterbende Rasse. Und dann hieß es lapidar als Begründung: weil ihnen die Fähigkeit, die Potenz fehlt, sich kulturell weiterzuentwickeln."
Es geht aber nicht nur um Rassenlehre. Die offizielle Zeitschrift des Bundes Freier Waldorfschulen beruft sich auch auf die Wiedergeburtstheorie Steiners. Nach der sind Krankheiten und Behinderungen schicksalhaft vorherbestimmt (!):
 
Zitat:
"Die Verwandlung von Lügenhaftigkeit über die Scheu zur Schwachsinnigkeit im nächsten Leben ist eine spirituelle Gesetzmäßigkeit, die der Geistesforscher Rudolf Steiner entdeckt hat."
 
Das heisst nichts anderes, als daß Menschen, die im "vorigen Leben" eine vermeintliche Sünde begangen haben, dies nun im "jetzigen Leben" durch eine Behinderung zu büßen haben. Eine Vorstellung, die an das Mittelalter, an Sekten oder an den Vatikan erinnern. Kommentieren muss man diese Lehre wohl nicht mehr!
In der Berliner Zeitung Der Tagesspiegel vom 1. Februar 2006 sprach der Berliner Sektenbeauftragte und evangelische Pfarrer Thomas Gandow von „obskuren Lehren und subtilem Einfluss“, der auf Eltern und Kinder in Waldorfschulen, bei denen es sich „nicht um Reform-, sondern um Weltanschauungsschulen“ handele, ausgeübt werde. In einer für Mitte Februar geplanten Tagung sollte es um den „Rassismus Rudolf Steiners“ gehen und um die Frage, wie christlich Anthroposophie sei. Nach anderen Berichten führten Beschwerden, unter anderem vom Sprecher der Waldorfschulen Detlef Hardorp, der beim evangelischen Bischof Huber einen „respektvollen und toleranten“ Umgang einforderte, dazu, daß die Landeskirche auf Distanz ging. Pröpstin Friederike von Kirchbach forderte eine „differenzierte Auseinandersetzung“ mit der Waldorfpädagogik, die unterschiedliche Positionen zu Wort kommen lasse. Die Veranstaltung wurde schlussendlich kurzfristig „im gegenseitigen Einvernehmen“ abgesagt, Hardorp begrüßte diese Entscheidung: „Es gibt in Deutschland schon lange konstruktive Gespräche zwischen Vertretern der Kirchen, der Anthroposophie und der Christengemeinschaft. [...] Diese gute Zusammenarbeit kann nun ungetrübt weiter gehen.“.
Der Bund der Freien Waldorfschulen stellte sich den aktuellen Vorwürfen in Form einer Meldung:
"Jegliche Form von Rassismus oder Antisemitismus ist mit Waldorfpädagogik unvereinbar. Das Fundament der Waldorfpädagogik ist die Überzeugung, daß jeder Mensch, gleichgültig welcher Hautfarbe, eine unveräußerliche Würde besitzt, einzigartig und unvergleichbar ist.
(...) Steiner geht es gerade darum, zu zeigen, daß entgegen damals weitverbreiteten Vorurteilen die "Neger" ebenso Menschen sind wie die Weißen. Steiner hat auch nicht der "weißen Rasse" eine führende Rolle in der Weltgeschichte zugeschrieben. Er hat Differenzen in der Naturanlage des Menschen, die auch die heutige Anthropologie kennt, nicht verleugnet. Er hat aus diesen aber keinen Rassismus abgeleitet, sondern vielmehr die Notwendigkeit eines solidarischen Zusammenlebens der Menschheit auf der ganzen Erde. Rassen haben seiner Auffassung nach für die Weltgeschichte im übrigen keine Bedeutung. Seit Jahrtausenden ist die Entwicklung der Menschheit eine kulturelle Entwicklung, die etwaige Rassenunterschiede nivelliert. Wer Rassismus zum politischen oder weltanschaulichen Programm erhebt, trägt seiner Ansicht nach zum "Niedergang der Menschheit" bei.
(...) "Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit", das war Steiners Überzeugung. Der Bund der Freien Waldorfschulen hat als Antwort auf die zur Rede stehenden Unterstellungen eine wissenschaftliche Studie veranlaßt. (Rudolf Steiner als aktiver Gegner des Antisemitismus und Rassismus).
Fazit: Es besteht kein Anlaß sich von einem angeblich absurden Denken Steiners zu verabschieden. Eine vorurteilslose Auseinandersetzung mit Steiners Werk erweist eine solche Forderung als gegenstandslos. Das schließt die Feststellung nicht aus, daß manche Formulierungen Steiners zeitverhaftet sind und einer Übersetzung in heutige Sprachgewohnheiten und Denkformen bedürfen."
Bund der Freien Waldorfschulen e.V. Stuttgart http://waldorfschule.info
Zur Person:
Rudolf Steiner
* 27. Februar 1861 in Donji Kraljevec nahe Cakovec, Kroatien (Medjimurje), damals Österreich-Ungarn;
† 30. März 1925 in Dornach (Schweiz) war ein österreichischer Philosoph, Pädagoge, Naturwissenschaftler und Esoteriker. Er begründete die Anthroposophie.

Steiner gründete 1913 die „Anthroposophische Gesellschaft“. 1919 begründete er die den Waldorfschulen eigene Pädagogik. Insgesamt suchte Steiner alle Gebiete des Lebens und der Wissenschaften ganzheitlich im Sinne des von ihm entwickelten Welt- und Menschenbildes zu deuten.
 
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letzte Aktualisierung: 23.04.06