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17.
Mai 2007
burschenschaftliche
Feiern in Witzenhausen
Göttinger
Burschen durften doch duschen
Obwohl
die traditionelle Fuxentaufe der Göttinger Burschenschaft Hannovera
in Witzenhausen nach Aussage von Stadtverwaltung und Polizei gegen
Strafe verboten worden sei, versammelten sich am Himmelfahrtstag
einige Burschenschaftler in der Kleinstadt. Schon am Morgen deutete
sich durch massive Polizeipräsenz an, dass mit Feierlichkeiten
zu rechnen ist. Auch gab es ernst zu nehmende Hinweise, der sogenannte
"Freie Widerstand Kassel" habe zu einer Versammlung nach
Witzenhausen aufgerufen.

Verwunderlich
war schon am Morgen die erhöhte Präsenz von Polizeifahrzeugen
in der Stadt. In kurzen Abständen wurden der Marktplatz, sowie
die angrenzenden Straßenzüge von Einsatzfahrzeugen, auch
zivilen Fahrzeugen, kontrolliert. Gegenüber einem kritischen
Beobachter der Vorbereitungen hatten Polizei und die Stadt Witzenhausen
am Mittwoch erklärt, das Treffen sei kurzfristig verboten worden.
Wegen angeblich verspätetem Meldezeitpunkt würde eine
Gegenveranstaltung ebenfalls nicht genehmigt. Rückblickend
kommt man nicht umhin zu vermuten, dass diese Aussagen nur dazu
dienen sollten, etwaige Störversuche zu unterbinden. Die Betroffenen
vor Ort fühlen sich nun getäuscht und werden in Zukunft
kritischer mit solchen Aussagen umgehen.

Gegen 14 Uhr zog eine Gruppe Burschenschaftler auf den Marktplatz,
begleitet von Polizeibeamten in Uniform und Zivil. Eine Fahne in
den Farben der Burschenschaft Hannovera wurde zwar mitgeführt
aber nicht zur Schau getragen. Anstelle dieser wurde lieber eine
fast zerfetzte Deutschlandfahne getragen. Auch die Bänder der
Burschenschaftler trugen die Farben schwarz-rot-gold. Diese Farben
lassen (das sind allerdings oberflächliche Vermutungen) eine
Beteiligung von Anhängern der Burschenschaft Germania oder
der Göttinger Brunsviga vermuten.

Auf Nachfragen von Passanten gaben sich die Burschenschaftler als
Mitglieder der "Blauen Sänger" aus. Allerdings war
offensichtlich, dass dies nicht stimmen konnte: die Blauen Sänger
aus Göttingen tragen keine Bänder. Ein Anruf zeigte dann
auch, dass sich die Blauen Sänger zu diesem Zeitpunkt bereits
in einem Vorort von Witzenhausen befanden, wo sie jedes Jahr zu
Himmelfahrt ein Jugendheim besuchen.

Gegen
17 Uhr sammelten sich die zusammen gerufenen antifaschistischen
Beobachter noch am Bahnhof. Rund 30 Personen ließen die Ordnungshüter
dort dann nochmal nervös werden. Abreisende Burschen und deren
"alte Herren" wurden von der Polizei im dunklen Bahnhofsgebäude
abgeschottet. Dort mussten sie gesammelt auf ihren Zug warten. Die
Menschen auf dem Bahnsteig wurden von der Polizei offensichtlich
sortiert: ihnen verdächtig erscheinende Grüppchen wurden
aufgefordert, ein paar Meter Abstand zum Einstiegsbereich zu halten.
Letztlich waren aber alle Anwesenden auf dem Bahnsteig Burschi-Gegner.
So konnten auch wir noch schnell ein paar handy-Bilder schießen.


antimanifest
war auch angereist, weil es Hinweise auf ein Treffen der autonomen
nordhessischen Nationalisten gab, des sogenannten "Freien Widerstands
Kassel". Die Einschätzung der Gruppe um Maksim B. aus
Edermünde-Holzhausen geht von einer nicht ernst zu nehmenden
rechten Jugendbande bis hin zur aktiven und gewalttätigen Kameradschaft.
Ein offenes Treffen wäre eine Gelegenheit gewesen, einen Eindruck
der vor allem im Internet aktiven Neofaschisten zu bekommen. Angeblich
hatten sich die Kameraden zu einer Versammlung um 17 Uhr am Bahnhof
in Witzenhausen verabredet. Hinweise deuteten im Laufe des Tages
aber darauf, dass sich die Gruppe von der Polizei einschüchtern
ließ. Die Ordnungsbehörden sollen Personen aus dem Freien
Widerstand angeblich angesprochen und unter Druck gesetzt haben.
antimanifest hatte den möglichen Plan der Faschisten am Vortag
auf elektronischem Weg verbreitet und so möglicherweise zusätzlich
für Unruhe gesorgt.

In
einem anderen Zusammenhang wurde der Polizei heute auch ein screenshot
aus dem internen Forum des Freien Widerstands Kassel übergeben.
Im Rahmen der sogenannten "anti-antifa-Arbeit" wird (oder
wurde) dort ein Foto, Adresse und Telefonnummer von Stephan S.,
Betreiber unserer Internetseite, verbreitet. Der Betroffene denkt
neben einer aktuellen Anzeige wegen Sachbeschädigung über
eine Anzeige wegen Bedrohung nach. Die Anzeige wegen Bedrohung läuft
derzeit noch unter Vorbehalt.

Maksim B., Betreiber der Internetpräsenz
des Freien Widerstands, hatte zuletzt flyer der Gruppe vertrieben.
Inhalt des Papiers: "linksextreme Strukturen aufdecken und
im Keim ersticken!", "Nieder mit der politischen
Lüge, werdet aktiv im Nationalen Widerstand, Jugend zu uns!",
"support your local NS-bloc". Ein flyer war beispielsweise
in der Unterführung am Holländischen Platz in Kassel aufgetaucht.
In einem der dort angesiedelten copyshops soll der junge Neonazi
auch bei der Vervielfältigung gesehen worden sein.
Auch
wir danken hier noch einmal allen Helfern, die am Donnerstag ihren
freien Tag opferten, um am Ende nur ganz wenige Burschenschaftler
zum Zug zu begleiten.

Artikel
der Hessisch-Niedersächsichen Allgemeinen vom 13.05.2007
Kein
Wasser für die Fuxentaufe
Antifa
Nordhessen hatte zur Blockade aufgerufen - Erwartete
Konfrontation blieb aus
Witzenhausen.
Die Fuxentaufe der Göttinger Burschenschaft Hannovera
gehört zu Witzenhausen wie das Erntefest seit
1912 kommen die Bundesbrüder an Himmelfahrt zum Kump,
um ihre neuen Mitglieder zu begrüßen. Diesmal
wurde der Brauch durchkreuzt.
Im
Marktbrunnen war kein Wasser, und auch die Freiwillige
Feuerwehr war nicht in der Lage, kurzfristig zu helfen:
Technischer Defekt hieß es dazu. Und die Antifa
hatte im Internet zu einer Blockade in Witzenhausen aufgerufen,
weil die Burschenschaftler poltisch rechts gerichtet seien.
Unter der Web-Adresse "noburschiday" wurde über
den Stand der Vorbereitungen informiert.
Eine
am Mittwoch beantragte Mahnwache der Linken wurde von
der Stadtverwaltung nicht genehmigt. Im Gegenzug wurde
den Burschenschaftlern die Nutzung des Kumps untersagt.
Gleichwohl hatte sich die Polizei für mögliche
Zusammenstöße gewappnet. Der Markt stand unter
Dauerbeobachtung, und auch der Bahnhof wurde von Funkstreifen
kontrolliert, um mögliche Aktivisten hier abfangen
zu können. Den einen oder anderen Antifa-Anhänger
hatte es tatsächlich in die Stadt gezogen.
Ein
Polizeisprecher erklärte am Donnerstagnachmittag
auf Anfrage unserer Zeitung, die Erkenntnislage sei unsichser
gewesen aber man habe sich vorbereitet, um bei
Konfrontationen eingreifen zu können. Das Sicherheitsaufgebot
kam aus dem Gebiet der Polizeidirektion Werra-Meißner,
teilweise patroullierten Beamte in Einsatzanzügen
in den Straßen. Helme und Schilde lagen griffbereit
in den Fahrzeugen. Bereitschaftspolizisten seien aber
nicht vor Ort gewesen. Sprecher der Burschenschaft Hannovera
bedauerten gegenüber unserer Zeitung den Ausfall
der Fuxentaufe in der althergebrachten Form: Man fühle
sich urdemokratischen Zielen verpflichtet und habe in
der Nazi-Zeit zu jenen Verbindungen gehört, die sich
nicht vom Staat vereinnahmen ließen. Man sei deshalb
der Verfolgung durch die Gestapo ausgesetzt gewesen. Deshalb
sei der Vorwurf, politisch rechtsgerichtet zu sein, abwegig.
So Nils Pott (stellvertretender Sprecher) und Roland Richter
(Alter Herr). Sie tagten mit 13 weiteren Mitgliedern im
Roten Haus. Die Tradition der Burschenschaft gehe bis
1849 zurück. Hannovera habe stets dafür gestanden,
sich staatlicher Gewalt nicht zu beugen. Und sie stehe
für Meinungsfreiheit.
Von
möglichen Störmanövern wollen sich die
Burschenschaftler nicht abhalten lassen im nächsten
Jahr komme man wieder nach Witzenhausen. Vielleicht führt
der Kump bis dahin wieder Wasser.
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